Postinspektor Sittinger (Walter Sedlmayr) ist ein Spießer, wie er im Buche
steht. Mit seiner naiven Frau Malwine (Veronika Fitz) durchlebt er die
deutsche Geschichte von Anfang des Jahrhunderts bis nach dem Zweiten
Weltkrieg. Seine Devise: Immer schön mit dem Strom schwimmen…
Als Vorlage diente Rainer Wolffhardt der Roman von Oskar Maria Graf.
Bild: BR/Foto Sessner
"Was ich nicht weiß, macht mich nicht heißt", lautet eine Lebenshilfe aus
dem Schatzkästlein unserer Vorfahren. Dieser gefährlichen Empfehlung zur
Interessenlosigkeit folgt der Kleinbürger Anton Sittinger, seines Zeichens
Münchner Postinspektor, in vorbildlicher Weise, Diese Haltung ist keine
nationale Eigenart. "Menschen wie Sittinger gibt es in allen Ländern,
Abertausende ...", sagt Oskar Maria Graf in seinem Roman.
Und so lebt dieser brave Bürger und Beamte mit seiner treusorgenden Frau
Malwine vor sich hin durch Krieg und Niederlage, durch Revolution und
Republik bis hin zum Terror der braunen Schläger. Es ist sicher kein
leichtes Leben, das er da leben muss in dieser verworrenen Zeit. Wie soll er
sich auch zurechtfinden, wenn er wegschaut, wo er doch hinschauen sollte.
Achselzuckend versucht er, es sich so bequem wie eben möglich zu machen. Er
will seine Ruhe haben, die man ihm nicht lässt. So flieht er aufs Land,
flieht in Krankheit, macht alle und alles verantwortlich für die Misere, nur
nicht sich.
- Quelle: BR.de - |
Da kommt endlich der Mann, der für Ruhe und Ordnung sorgt. Dieser Ansicht
ist jedenfalls Malwine, die in völkischer Voraussicht ihren Anton
rechtzeitig und heimlich als förderndes Mitglied der NSDAP hat eintragen
lassen. Denn eigentlich will Herr Sittinger mit der "Nazibande" nichts zu
tun haben. Jedenfalls aber steht er auch nach der Machtergreifung "auf der
rechten Seite". Später einmal wird man ihm bestätigen, dass er ein Mitläufer
war.
Als Graf den "Anton Sittinger" 1937 schrieb, hatte er schon vier Jahre im
Exil gelebt, hatte durch seinen flammenden Aufruf "Verbrennt mich!" dagegen
protestiert, womöglich von den Nationalsozialisten als harmloser deutscher
Heimatdichter und völkischer "Blut- und Boden"-Schreiber in Reih und Glied
gestellt zu werden. Gleichzeitig hatte er aber auch den notwendigen Abstand
gewonnen, um ein politisches Resümee der Jahre 1918 - 1933 zu ziehen.
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