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Bayerische Kultserien:
Einfache
Frage zu Beginn: Wie schafft man es als Band 30 Jahre zusammen zu bleiben?
Peter:
Da geht man
durch so viele Phasen und Situationen. Manchmal rangelt man sich, manchmal ist
man verzweifelt oder auch nur glückselig. Wir sind durch so viele
unterschiedliche Gefühlszustände in den 30 Jahren gegangen. Wie in einer guten
und auch manchmal schlechten Ehe rumpelt man da durch. Vor ca. 8 Jahren sind wir
ja auch in eine gscheide Krise geschlittert, haben aber mittlerweile wieder
zueinander gefunden. Durch ein tiefes Loch zu schreiten und daraus zu lernen
fühlt sich auch super an. Man respektiert sich noch mal mehr, lässt den anderen
noch mal mehr sein und verbiegt niemanden. In 30 Jahren Bandleben gibt es
einfach viel zu lernen.
B K:
Bestand
die Gefahr, dass Ihr Euch mal komplett trennen würdet?
Flo:
Ich würde sagen das Eis war schon mal sehr dünn. Nach 2017, als
wir in diese lange Pause geschliddert sind, ohne zu wissen wie es weitergeht. Da
hätte es genauso gut anders ausgehen können. Aber unsere eigene Musik hat uns
wieder zusammengeführt. Das Bewusstsein, dass es sehr wertvoll ist, was wir hier
haben. Gottseidank war das dann für uns quasi wie ein Neustart im Jahr 2020.
Rüde:
Es ist schön, wie man an solchen Situationen dann wachsen kann. Das wird zu
einem Geschenk, das einem wieder hilft nach vorne zu sehen und zu schätzen das
man eine Band ist. Es ist schon krass in unserem Alter, Anfang 50, als Band
dazustehen und zu merken wie frei das einen macht. Was es bedeutet in den Nightliner zu steigen, eine Crew zu haben,
Menschen vor der Bühne zu haben, die
mit dem was wir machen etwas verbinden. Das hält einen auch zusammen. Es
entstehen immer neue Geschichten und wir können uns noch mal auf eine andere Art
und Weise sehen und entdecken. Das Leben bringt immer neue Dinge mit sich und
ich kann mir keinen anderen Lebensentwurf vorstellen, wo es so spannend sein
kann, wie das Spielen in einer Band.
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B K:
In Euren
ersten Zeit hattet Ihr ja auch mal einen anderen Bandnamen. Was wäre, wenn Euer
Name heute noch "Endkrass" lauten würde?
Rüde:
Dann wär's wirklich saukrass. (alle lachen)
Peter:
Dann hätt ma's wirklich g'schafft.
Rüde:
Die Band hat sich schon bevor ich da war vor das Leben zu nehmen, mit dem Namen
"Endkrass". Dann haben wir mit "Sportfreunde Stiller" den zweiten Versuch
gestartet.
Flo: Es
gab zuvor noch den Namen "Stiller". Da wurden wir von einer Hamburger Band
verklagt, die ebenso hieß.
Rüde:
Die wollten dann uns das Leben nehmen.
Flo:
Und dann haben wir uns über die "Sportfreunde" quasi ins Alter gerettet.
Peter:
Hießen wir nicht auch mal "Bodden" zwischendurch?
Flo:
Wir wollten uns entweder "Hennings Koffer", Bodden oder "Stiller" nennen. Da
haben wir uns für "Stiller" entschieden.
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B K:
Zwischendurch hattet Ihr ja auch immer wieder mal Pseudonyme…
Flo:
Ja klar. "The Kaltz Mannis", "The Diegos" oder "The Michael A.
Roths". (lacht)
Peter:
Die "Dino Zoffs" waren wir auch.
Rüde:
"Kalle De Hayes" auch?
Flo:
Nein, aber wir hatte mal ein Lied mit dem Namen,
B K:
Ab wann
gab es bei Euch den Durchbruch? Wann konntet Ihr von der Musik leben?
(alle überlegen)
Flo:
Ich
glaube ich habe im Jahr 2000 aufgehört im Atomic Cafe zu arbeiten. Das war
glaube ich das Zeichen, dass es auch mit der Musik klappt.
Peter:
War ich da nicht noch Tankwart?
Flo:
Nein, das war in den 90er Jahren. Ich weiß noch, dass wir Ende der 90er mal eine
Gage bekommen haben, wo jeder einen Tausender eingesteckt hat. Da sind wir aus
der Tankstelle raus gegangen und haben uns nicht ein Eis, sondern zwei gekauft,
weil wir uns wahnsinnig reich gefühlt haben.
B K:
Gab es
mal die Gefahr, dass das Thema "Sport" bzw. "Fußball" Eure Karriere zu sehr
dominieren würde?
Rüde:
Natürlich war die Gefahr da. Die beiden sind einfach total kranke
Fußball-Fans. (lacht) Das würden die zwei jetzt nicht so sagen aber für mich ist
es einfach das Level.
(leicht protestierende
Laute der anderen beiden)
Rüde:
Na
komm, wenn man ein Jahr lang vor der WM den Tourplan anpasst und dann, wenn
Fehler passieren, sich überlegt ob man ein Konzert nicht aufgrund des Spiels
vorverlegen kann.
Flo:
Das ist eigentlich ganz normal. Unser Publikum will ja auch Fußball schauen.
Nächste Frage? (lacht)
Rüde:
Ich glaube, dass es total wichtig ist, einfach sein Zeug zu
machen.
Flo:
Das sagen eher die Skispringer: "Ich mach mein Zeug".
Rüde:
Wenn man diese Begeisterung spürt und die Freude, wenn ein neues
Lied da ist, dass irgendwie connected, dann ist alles richtig. Früher dachten
wir mit jeder Kritik und jedem Veriss, dass alles vorbei ist. Wenn man es spürt
sollte man es halt machen und sich nicht durch die Augen der anderen Bewerten
lassen.
B K:
War der
Überhit "54, 74, 90, 2006" dann nur Segen oder auch mal ein Fluch?
Flo:
Wir haben uns damals schon Gedanken gemacht, gleich ein Album
nachzulegen, dass sich mit ganz anderen Themen beschäftigt. Das Lied war ein
wahnsinniger Segen. Die Höhenflüge, die uns ereilt haben, konnten wir eigentlich
ganz gut abfedern. Wenngleich es durchaus so war, dass Leute auf unseren
Konzerten waren, mit denen man nicht unbedingt rechnet. Für uns war das Winken
mit der Deutschlandfahne ein Zuspruch für den Fußball. Das wir die dann auch auf
Konzerten gesehen haben, war schon irritierend. Wir lieben das Lied immer noch,
auch wenn wir es eigentlich nicht mehr live spielen, außer bei großen
Sportveranstaltungen, bei denen es um Fußball geht. Letztendlich war der Song
schon ein Schritt in die breite Öffentlichkeit und wir haben damit so viele
tolle Sachen erlebt. Dafür sind wir auch sehr dankbar.

B K:
Ihr habt
ja auch noch so viele tolle Hits nachgelegt. Wenn Leute zu Euch sagen "Ihr seid
Kult!", was bedeutet das für Euch?
Flo:
(überlegt) Ist "Kult" nicht auch irgendwie eine Abkürzung
für "Kultur"? Ich würde sagen wir sind schon Kultur. (lacht)
Rüde:
Für mich ist es total schön, wenn Menschen uns positiv mit ihrem eigenen
Lebensweg verbinden. Mittlerweile hören wir so große Begriffe öfter und ich
finde es irgendwie ehrenvoll und schön. Wir sind überhaupt keine perfekten
Menschen und gehen einfach unseren Weg, der uns selber oft genug beeindruckt
hat. Wenn die Menschen dann uns so sehr mögen, dann ist das super,
Flo:
Wisst Ihr was? Wenn ich so daran denke, was wir erlebt haben und an unsere
Dokumentation, dann komme ich gerade wirklich zu folgendem Satz: Wir sind Kult.
Gerade als du das ausgeführt hast denke ich das aus völliger Überzeugung.
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Peter:
(lacht) Jetzt hat's also bei Dir "klick" gemacht.
Flo:
Was sagst Du? Sag nix verkehrts! (lacht)
B K:
...
Rüde:
Ich bin einfach nur der Rüdiger, gell. (alle lachen) Mit
so einem Namen kommt man eh nie hoch.
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B K:
Mal
angenommen Ihr hättet mal das Angebot bekommen, den Soundtrack zu einer
bayerischen Kultserie zu machen. Welche Serie wäre das gewesen?
Flo:
Du hast gerade ein T-Shirt von ihm an. Der "Monaco Franze" hat
mir Weisheiten mitgegeben, die sind vergleichbar mit den Weisheiten meiner Oma.
Mit dieser Serie bin ich schon sehr verbunden. Da hätte ich gerne ein bis zwei
Lieder von uns drin gehabt. Vielleicht geht das ja noch irgendwie. (lacht)
Rüde:
"Kir Royal" wäre wahrscheinlich zuviel der Ehre gewesen. Ich
hätte dann immer Angst gehabt, dass wir die Serie damit kaputt machen.
(lacht) Aber das ist natürlich eine Serie, die für immer der Wahnsinn ist.
Peter:
Zu "Irgendwie und Sowieso" hätte ich schon gerne etwas
beigesteuert, aber das ist einfach so perfekt, dass ich die gleiche Sorge wie
Rüdiger gehabt hätte,
B K:
Dann
hätten wir gleich Eure Favoriten festgestellt. Vielen Dank für Eure Zeit!
Alle:
Sehr gerne!
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