Interview mit den Sportfreunden Stiller

(2026/München)

Zum 30jährigen Bandjubiläum

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Bayerische Kultserien: Einfache Frage zu Beginn: Wie schafft man es als Band 30 Jahre zusammen zu bleiben?

Peter: Da geht man durch so viele Phasen und Situationen. Manchmal rangelt man sich, manchmal ist man verzweifelt oder auch nur glückselig. Wir sind durch so viele unterschiedliche Gefühlszustände in den 30 Jahren gegangen. Wie in einer guten und auch manchmal schlechten Ehe rumpelt man da durch. Vor ca. 8 Jahren sind wir ja auch in eine gscheide Krise geschlittert, haben aber mittlerweile wieder zueinander gefunden. Durch ein tiefes Loch zu schreiten und daraus zu lernen fühlt sich auch super an. Man respektiert sich noch mal mehr, lässt den anderen noch mal mehr sein und verbiegt niemanden. In 30 Jahren Bandleben gibt es einfach viel zu lernen.

B K: Bestand die Gefahr, dass Ihr Euch mal komplett trennen würdet?

Flo: Ich würde sagen das Eis war schon mal sehr dünn. Nach 2017, als wir in diese lange Pause geschliddert sind, ohne zu wissen wie es weitergeht. Da hätte es genauso gut anders ausgehen können. Aber unsere eigene Musik hat uns wieder zusammengeführt. Das Bewusstsein, dass es sehr wertvoll ist, was wir hier haben. Gottseidank war das dann für uns quasi wie ein Neustart im Jahr 2020.

Rüde: Es ist schön, wie man an solchen Situationen dann wachsen kann. Das wird zu einem Geschenk, das einem wieder hilft nach vorne zu sehen und zu schätzen das man eine Band ist. Es ist schon krass in unserem Alter, Anfang 50, als Band dazustehen und zu merken wie frei das einen macht. Was es bedeutet in den Nightliner zu steigen, eine Crew zu haben, Menschen vor der Bühne zu haben, die mit dem was wir machen etwas verbinden. Das hält einen auch zusammen. Es entstehen immer neue Geschichten und wir können uns noch mal auf eine andere Art und Weise sehen und entdecken. Das Leben bringt immer neue Dinge mit sich und ich kann mir keinen anderen Lebensentwurf vorstellen, wo es so spannend sein kann, wie das Spielen in einer Band.

B K: In Euren ersten Zeit hattet Ihr ja auch mal einen anderen Bandnamen. Was wäre, wenn Euer Name heute noch "Endkrass" lauten würde?

Rüde: Dann wär's wirklich saukrass. (alle lachen)

Peter: Dann hätt ma's wirklich g'schafft.

Rüde: Die Band hat sich schon bevor ich da war vor das Leben zu nehmen, mit dem Namen "Endkrass". Dann haben wir mit "Sportfreunde Stiller" den zweiten Versuch gestartet.

Flo: Es gab zuvor noch den Namen "Stiller". Da wurden wir von einer Hamburger Band verklagt, die ebenso hieß.

Rüde: Die wollten dann uns das Leben nehmen.

Flo: Und dann haben wir uns über die "Sportfreunde" quasi ins Alter gerettet.

Peter: Hießen wir nicht auch mal "Bodden" zwischendurch?

Flo: Wir wollten uns entweder "Hennings Koffer", Bodden oder "Stiller" nennen. Da haben wir uns für "Stiller" entschieden.

 

B K: Zwischendurch hattet Ihr ja auch immer wieder mal Pseudonyme

Flo: Ja klar. "The Kaltz Mannis", "The Diegos" oder "The Michael A. Roths". (lacht)

Peter: Die "Dino Zoffs" waren wir auch.

Rüde: "Kalle De Hayes" auch?

Flo: Nein, aber wir hatte mal ein Lied mit dem Namen,

B K: Ab wann gab es bei Euch den Durchbruch? Wann konntet Ihr von der Musik leben?

(alle überlegen)

Flo: Ich glaube ich habe im Jahr 2000 aufgehört im Atomic Cafe zu arbeiten. Das war glaube ich das Zeichen, dass es auch mit der Musik klappt.

Peter: War ich da nicht noch Tankwart?

Flo: Nein, das war in den 90er Jahren. Ich weiß noch, dass wir Ende der 90er mal eine Gage bekommen haben, wo jeder einen Tausender eingesteckt hat. Da sind wir aus der Tankstelle raus gegangen und haben uns nicht ein Eis, sondern zwei gekauft, weil wir uns wahnsinnig reich gefühlt haben.

B K: Gab es mal die Gefahr, dass das Thema "Sport" bzw. "Fußball" Eure Karriere zu sehr dominieren würde?

Rüde: Natürlich war die Gefahr da. Die beiden sind einfach total kranke Fußball-Fans. (lacht) Das würden die zwei jetzt nicht so sagen aber für mich ist es einfach das Level.

(leicht protestierende Laute der anderen beiden)

Rüde: Na komm, wenn man ein Jahr lang vor der WM den Tourplan anpasst und dann, wenn Fehler passieren, sich überlegt ob man ein Konzert nicht aufgrund des Spiels vorverlegen kann.

Flo: Das ist eigentlich ganz normal. Unser Publikum will ja auch Fußball schauen. Nächste Frage? (lacht)

Rüde: Ich glaube, dass es total wichtig ist, einfach sein Zeug zu machen.

Flo: Das sagen eher die Skispringer: "Ich mach mein Zeug".

Rüde: Wenn man diese Begeisterung spürt und die Freude, wenn ein neues Lied da ist, dass irgendwie connected, dann ist alles richtig. Früher dachten wir mit jeder Kritik und jedem Veriss, dass alles vorbei ist. Wenn man es spürt sollte man es halt machen und sich nicht durch die Augen der anderen Bewerten lassen.

B K: War der Überhit "54, 74, 90, 2006" dann nur Segen oder auch mal ein Fluch?

Flo: Wir haben uns damals schon Gedanken gemacht, gleich ein Album nachzulegen, dass sich mit ganz anderen Themen beschäftigt. Das Lied war ein wahnsinniger Segen. Die Höhenflüge, die uns ereilt haben, konnten wir eigentlich ganz gut abfedern. Wenngleich es durchaus so war, dass Leute auf unseren Konzerten waren, mit denen man nicht unbedingt rechnet. Für uns war das Winken mit der Deutschlandfahne ein Zuspruch für den Fußball. Das wir die dann auch auf Konzerten gesehen haben, war schon irritierend. Wir lieben das Lied immer noch, auch wenn wir es eigentlich nicht mehr live spielen, außer bei großen Sportveranstaltungen, bei denen es um Fußball geht. Letztendlich war der Song schon ein Schritt in die breite Öffentlichkeit und wir haben damit so viele tolle Sachen erlebt. Dafür sind wir auch sehr dankbar.

B K: Ihr habt ja auch noch so viele tolle Hits nachgelegt. Wenn Leute zu Euch sagen "Ihr seid Kult!", was bedeutet das für Euch?

Flo: (überlegt) Ist "Kult" nicht auch irgendwie eine Abkürzung für "Kultur"? Ich würde sagen wir sind schon Kultur. (lacht)

Rüde: Für mich ist es total schön, wenn Menschen uns positiv mit ihrem eigenen Lebensweg verbinden. Mittlerweile hören wir so große Begriffe öfter und ich finde es irgendwie ehrenvoll und schön. Wir sind überhaupt keine perfekten Menschen und gehen einfach unseren Weg, der uns selber oft genug beeindruckt hat. Wenn die Menschen dann uns so sehr mögen, dann ist das super,

Flo: Wisst Ihr was? Wenn ich so daran denke, was wir erlebt haben und an unsere Dokumentation, dann komme ich gerade wirklich zu folgendem Satz: Wir sind Kult. Gerade als du das ausgeführt hast denke ich das aus völliger Überzeugung.

Peter: (lacht) Jetzt hat's also bei Dir "klick" gemacht.

Flo: Was sagst Du? Sag nix verkehrts! (lacht)

B K: ...

Rüde: Ich bin einfach nur der Rüdiger, gell. (alle lachen) Mit so einem Namen kommt man eh nie hoch.

 

B K: Mal angenommen Ihr hättet mal das Angebot bekommen, den Soundtrack zu einer bayerischen Kultserie zu machen. Welche Serie wäre das gewesen?

Flo: Du hast gerade ein T-Shirt von ihm an. Der "Monaco Franze" hat mir Weisheiten mitgegeben, die sind vergleichbar mit den Weisheiten meiner Oma. Mit dieser Serie bin ich schon sehr verbunden. Da hätte ich gerne ein bis zwei Lieder von uns drin gehabt. Vielleicht geht das ja noch irgendwie. (lacht)

Rüde: "Kir Royal" wäre wahrscheinlich zuviel der Ehre gewesen. Ich hätte dann immer Angst gehabt, dass wir die Serie damit kaputt machen. (lacht) Aber das ist natürlich eine Serie, die für immer der Wahnsinn ist.

Peter: Zu "Irgendwie und Sowieso" hätte ich schon gerne etwas beigesteuert, aber das ist einfach so perfekt, dass ich die gleiche Sorge wie Rüdiger gehabt hätte,

B K: Dann hätten wir gleich Eure Favoriten festgestellt. Vielen Dank für Eure Zeit!

Alle: Sehr gerne!

 
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