Interview mit Horst Kummeth

(März 2026 München)

Vom Metzgerssohn zu einem der beliebtesten Schauspieler Deutschlands – Horst Kummeth schaut mit fast 70 auf ein bewegtes Leben zurück. In seiner Autobiografie „Drehbuch meines Lebens“ blickt Schauspieler und Autor Horst Kummeth offen auf Herkunft, Glauben und seine jahrzehntelange Arbeit vor der Kamera zurück.

 

© Darek Gontarsk

Bayerische Kultserien: Herr Kummeth, meine erste Frage ist eigentlich die einfachste: Warum jetzt eine Biografie?

Horst Kummeth: Das habe ich mich erst auch gefragt. Der Bonifatius-Verlag kam auf mich zu, nachdem sie ein Interview von mir im Internet gesehen hatten, bei dem ich über meinen Glauben spreche. „Künstler, Schauspieler und gläubig. Und sie werden bald 70 Jahre alt. Sollte man da nicht eine Biografie machen?“. Ich war erst skeptisch, weil ich mich noch gar nicht so alt fühle. (lacht) Schließlich haben wir uns aber dann zusammengesetzt und besprochen, wie wir es angehen. Ich wollte keine Autobiografie machen, denn der eigene Blick auf sich selbst birgt auch immer Gefahren. Mit der Co-Autorin Karoline Kuhn, die meine Erzählungen gut geordnet und aufgeschrieben hat, ist uns das Buch gut gelungen finde ich.

B K: Ihre längste Serie als Schauspieler war „Dahoam is Dahoam“, bei der Sie seit der ersten Folge dabei waren. Stimmt es, dass Sie einer der wenigen Leute waren, die von Beginn an gesagt haben, dass die Serie lange laufen wird?

H K: (lacht) Ich war eigentlich der Einzige, der das gesagt hat. Meine Agentur meinte zwar, ich sollte vorerst für ein Jahr unterschreiben, aber ich fand das Konzept von Anfang an sehr gut, weil es für viele eine Art Ersatzfamilie werden wird. Das habe ich auch der Produktion gesagt und meinte „Das läuft mindestens 10 Jahre.“. Jeder meinte zu mir „Du spinnst doch!“. Aber es hat sich bewahrheitet. (lacht)

B K: Die Frage an Sie als Schauspieler und Drehbuchautor: Wie wird etwas zu einer „Kult“-Serie und wie zu einer „Kult“-Rolle, wie es Ihre Figur, der Apotheker Roland Bamberger geworden ist?

H K: Ich glaube man muss in dem, was man darstellt, oder auch schreibt authentisch sein. Bei „Dahoam is Dahoam“ waren die Erzählungen mit authentischen Figuren, die jeder kennt und mag, in einem fiktiven Dorf außerhalb von München, eine sehr gute Herangehensweise. Meine Rolle als etwas durchgeknallter Apotheker, war zu Beginn eigentlich nicht so angelegt. Für den habe ich mir ein bisschen mehr Leben ausgedacht, damit die Rolle etwas mehr Fleisch bekommt und es nicht nur ein Apotheker ist, der einfach nur Sachen verkauft. Louis de Funès hat immer gesagt er hat seine Rollen wie ein Huhn gespielt. Nein, doch, oh… mit der entsprechenden hektischen Mimik und Bewegung. Ich wollte Roland Bamberger spielen wie ein Eichhörnchen, der immer durch seine Apotheke wuselt, etwas verpeilt ist, aber eigentlich ganz liebenswert, weil er niemanden wehtun will und sich nur manchmal selber im Weg steht. Ich glaube das ist ganz gut gelungen. Ich war viele Jahre hintereinander der beliebteste Darsteller der Serie, weil die Zuschauer die Rolle als sehr authentisch wahrgenommen haben. Deswegen ist Authentizität alles, was man braucht.

Bild: BR/Marco Orlando Pichler

B K: Auch wenn die Rolle nicht Ihrem eigenen Naturell entspricht.

H K: Absolut nicht. Es gibt Schauspieler, die bauen eine Rolle zu einer Kunstfigur auf und spielen sie sehr artifiziell. Das funktioniert ab und zu, aber manchmal nehmen die Leute dem Schauspieler diese Darstellung nicht ab. Dann ist es nicht glaubhaft und funktioniert nicht. Wenn ich aber eine Figur, die ich kreiert habe mit echtem Leben fülle, dann kommt das beim Zuschauer an. Als ich in der Serie als Roland Bamberger z.B. meine Mutter verloren habe, oder mich von einer Frau getrennt hatte, dann habe ich diesen Schmerz wirklich gefühlt. Dann muss ich wirklich traurig sein und nicht nur so tun. Sonst nimmt einem das niemand ab und es überträgt sich nicht. Das ist der Beruf des Schauspielers, es wirklich so zu empfinden. Wenn ich nur so tue als würde ich heulen, dann will das keiner sehen.

B K: War der Abschied von „Dahoam is Dahoam“ nach dieser langen Zeit nicht sehr schwer?

H K: Sie werden lachen, er war nicht schwer. Zwei Jahre zuvor hatte ich schon mal damit geliebäugelt. Ich wurde dann auch mal für ein paar Monate rausgeschrieben, was ich zu dem Zeitpunkt für die Geschichte nicht gut fand. Da meine Rückkehr aber geplant war, habe ich noch ein Jahr weitergespielt und danach war für mich die Luft raus. Für mich war es dann auserzählt. Es ist immer so, dass man einer Figur, die man spielt, einen gewissen Respekt schuldet. Ich war es dann müde diese Rolle zu spielen und habe gemerkt, dass mich die Figur nicht mehr so interessiert. Lieber bis zum Ende mit voller Kraft spielen, bevor ich eine Rolle nicht mehr ausstehen kann. Sie dann trotzdem weiterspielen würde es nur schlecht machen.

B K: Haben Sie oder Ihre Frau auch mal Drehbücher für „Dahoam is Dahoam“ geschrieben?

H K: Nein. Das haben wir bewusst nicht gemacht, auch wenn wir ganz am Anfang mal dafür angefragt wurden. Es macht aber immer böses Blut, wenn man in so einer „Langlaufserie“ für sich selber schreibt. Da sollte nicht der Verdacht entstehen, dass ich bevorzugt für meine Rolle schreibe.

B K: Sie kommen ja ursprünglich aus Forchheim, sind in Garmisch aufgewachsen und schreiben im Buch über Ihre Anfänge als junger Schauspieler in München. Was war denn Ihre größte Motivation diesen Beruf unbedingt erlernen zu wollen?

H K: Zum einen denk ich, hätte ich mich für etwas anderes nicht geeignet. (lacht) Mein Vater wollte immer, dass ich zur Bank gehe. Er war Metzgermeister und oft voller Blut und schmutzig. Er sagte immer zu mir: „Wenn du zu einer Bank gehst, dann bist du immer schön angezogen, sauber und musst nicht raus in die Kälte. Und auf der Bank gibt’s Geld.“ (lacht) Aber ich konnte mir einfach nicht vorstellen 40 Jahre hinter dem Schreibtisch zu sein. Letztendlich war der Schauspielberuf immer mein Wunsch. Auch wenn ich es als Kind nicht formulieren konnte, habe ich damals schon toll gefunden, dass jemand Tarzan oder einen Cowboy spielen kann und ist es in Wirklichkeit gar nicht. Jemanden darzustellen, der man nicht ist, fand ich spannend. Es gab auch keinen Plan B.

B K: Die Zeit, in der Sie mit dem Beruf begonnen haben, war noch die der großen Samstagabendshows und Filme. Man hatte nicht so viele Kanäle wie heute und so eine große Auswahl wie jetzt. Wie schwer oder leicht haben es junge Schauspieler heutzutage?

H K: Ich sage ihnen ganz ehrlich, dass ich den Beruf heute nicht mehr wählen würde. Es gab damals in München drei Schauspielschulen. Als ich bei der Zinner-Schauspielschule in München begonnen habe, waren in meinem Kurs z.B. eine ganze Menge Frauen und vielleicht zwei Männer. Bei den anderen Schulen sah es nicht viel anders aus. Heute gibt es bestimmt 15 Schauspielschulen, die ausbilden wie verrückt und jedes Jahr 20 Leute auf den Markt werfen. So ist es in Wien, in Hamburg, Frankfurt, Köln und in Berlin wahrscheinlich noch mehr. Wenn man dann noch sieht, was an amerikanischen Serien angekauft wird und wir in Deutschland im Vergleich selber produzieren, dann ist das ganz schön gering. Wo sollen also alle Arbeit finden? Ich war nie weltfremd, sondern eher vernunftbegabt, weshalb ich aus heutiger Sicht nicht mehr Schauspieler werden würde. Die Menge an Konkurrenz ist zuviel und das Angebot an Rollen ist zu wenig. Und wenn man sieht, was heute junge Schauspieler verdienen, dann ist das ein Witz. Ich würde heute etwas anderes machen.

B K: Damals gab es noch das typische „Schicki Micki“-München. Wie haben Sie die Zeit in dieser Stadt erlebt?

H K: Ich fand es natürlich toll. Die 70er in München waren eine tolle Zeit. Drogen waren nie meine Sache, aber ich habe geraucht wie ein Schlot. Ich habe damals bestimmt 40 Zigaretten am Tag geraucht und sehr viel Kaffee getrunken. Ich weiß, dass Alkohol und Drogen von vielen konsumiert wurden und es auch zu der Zeit eine ganz normale Sache war. Ich war da eher der Außenseiter, der es nicht probieren wollte.

B K: Eine Art Kulturschock für Sie?

H K: Ja, irgendwie schon. Ich kam ja ganz alleine von Garmisch nach München und kannte niemanden. Da war München für mich wie New York. (lacht) Ich hatte nur die Schauspielschule, wo ich mit einigen Kontakt knüpfen konnte und mir in der Mensa mit meinem Studentenausweis ein billiges Mittagessen holen konnte. Ich war immer hungrig damals. (lacht) Als ich zum Vorsprechen kam, hatte ich einen Trachtenanzug an, das müssen sie sich mal vorstellen. (lacht) Die Leiterin und damalige Chefin der Schule, Ellen Zinner, hat zu mir gesagt: „Herr Kummeth, ich würde sie ja gerne nehmen. Aber wenn ich mir sie so anschaue… München ist für sie ein zu heißes Pflaster.“ (lacht) Ich war wirklich eine Landpomeranze. 

Bild: BR/TV60Filmproduktion GmbH/Nicole Kahlert

B K: Der Beginn Ihres Drehbuchschreibens, war die Serie „Hans im Glück“. Auch noch mal ein Popularitätsschub für Sie oder?

H K: Wir haben einfach über etwas geschrieben, dass wir auch kannten. Das war eben dieser Hans, der ein einfacher Bua war, kein Job, keine Freundin und kein Geld hatte und zur Bundeswehr musste. Das war mein Leben. Ich kam mit null Mark nach München und habe später nur Bafög bekommen. Auf der anderen Seite war es aber auch das spannende. Man fängt mit dem Leben an. Als „Hans im Glück“ ausgestrahlt wurde, waren die Kritiken sehr gut. Auch aus der Sicht von Psychologen, die es gut fanden, dass junge Leute mit dem Kampfsport nicht auf der Straße anfangen, sondern in einem Club. Nach der Ausstrahlung gab es da einen richtigen Hype. In der Serie gab es diesen Gruß, bei dem wir uns immer „Howgh“ zugerufen haben. Wir haben uns immer sehr amüsiert, wenn wir durch München gefahren sind und uns Jugendliche auf dem Fahrrad so zugegrüßt haben. (lacht) Ich war danach bekannt wie ein bunter Hund.

B K: Die Serie war auch ein Anfang für Ihren Kollegen Udo Wachtveitl, der uns im Interview erzählt hat, dass sie beiden sich diesen Gruß ausgedacht haben und der so nicht im Drehbuch stand.

H K: (lacht) Ja, das stimmt.

B K: Bei „Hans im Glück“ haben Sie einen jüngeren Charakter dargestellt, als Sie damals wirklich waren. Bis heute wirken Sie immer noch jünger als Ihr tatsächliches Alter.

H K: Dankeschön. Ich sah tatsächlich immer etwas jünger aus. Ich und meine Frau wollten damals in die Disco „Sugar Shake“ in München, als der Schrank von einem Türsteher zu uns meinte: „Das ist keine Kinderdisco. Geht’s wieder hoam!“. Ich meinte: „Hey, wir sind verheiratet und haben Kinder.“ (lacht) Bei „Hans im Glück“ war ich 29 Jahre alt und habe einen Schüler gespielt. Es gab aber nie das Argument, dass mir das niemand abgekauft hätte.

B K: Ist der „Hans Kroll“ eine Rolle, auf die Sie neben dem Roland Bamberger aus „Dahoam is Dahoam“ noch am meisten angesprochen werden?

H K: Tatsächlich werde ich auch auf viele andere Sachen angesprochen. Wir waren letztens in Augsburg auf einem katholischen Familienforum, bei dem ich oft auf die Serie „Wildbach“ angesprochen wurde und auf „Der eiserne Weg“. Sehr viel werde ich auch auf „Die fünfte Jahreszeit“ angesprochen, eine Serie über die Geschichte des Skilaufs. Das war eigentlich meine erste große Produktion. Ein Neunteiler, bei dem ich immer wieder meinen Urenkel gespielt habe, also gleich mehrere Generationen. Da habe ich auch den Udo Wachtveitl kennen gelernt, der da meinen Bruder gespielt hat. Das ist auch vielen Leuten im Gedächtnis geblieben.

B K: Wenn man sich Ihre Vita anschaut, dann waren Sie schon bei so unglaublich vielen Filmen und Serien dabei. „Wildbach“ haben Sie ja schon angesprochen, aber außerdem noch die „Weißblauen Geschichten“, „Forstinspektor Buchholz“, „Forsthaus Falkenau“, einige Male „Die Rosenheim Cops“ und vieles mehr. Aber erstaunlicherweise nicht wirklich oft als Kommissar.

H K: (überlegt) Ich habe mal einzelne Krimis gemacht. „Die Gunst der Sterne“ von 1988 zum Beispiel. Ein Thriller bei dem ich meinen Vater töte. Dann gab es noch den Fernsehfilm „Schuldlos schuldig“, bei dem meine Freundin vergewaltigt wird und ich das eigentlich wieder in Ordnung bringen will. Das war ein Krimi von Rainer Wolffhardt aus dem Jahr 1992. Auch bei einem „Tatort“ mit Helmut Fischer als Kommissar war ich mal dabei. Da spielte ich einen kleinen Gangster. Ich habe also schon immer wieder mal Krimis gemacht, aber nicht als Serienrolle.

 

 

B K: Hätten Sie denn gerne mal den Kommissar in einer Serie gespielt, wie Ihr Kollege Udo Wachtveitl später beim „Tatort“?

H K: Eine gute Kommissar-Rolle hätte ich bestimmt gespielt, warum nicht.

B K: An welche Produktion haben Sie die beste Erinnerung?

H K: (überlegt) Das kann man so nicht sagen. „Hans im Glück“ war natürlich etwas, das mir und meiner Frau sehr nahe war. Das war etwas Besonderes, weil es viel mit uns zu tun hat. Auch wenn Evis (Eva Kummeth) Vater nicht der Besitzer einer Keksfabrik, sondern Regierungsoberamtsrat war. (lacht) Evi war aber damals auch schon verlobt und es ging genauso hin und her.

B K: Gab es auch Rollen, die Sie abgelehnt haben?

H K: Viele. Das mache ich auch heute noch. Diverse Agenturen, bei denen ich war, meinten zwar meistens „Ah, spiel das doch!“, aber wenn mich etwas nicht interessiert, bringt es nichts. Zu Beginn der Karriere gibt es die Zeit, bei der man spielen muss, was kommt. Wir mussten ja irgendwie durchkommen und hatten uns früh entschieden Kinder zu bekommen. Als ich es mir leisten konnte, habe ich aber oft Rollen abgelehnt. Mir wurde z.B. mal die Rolle in einem Softerotikfilm angeboten, bei dem ich wirklich gut bezahlt worden wäre. Da habe ich aber gesagt „Den Mist könnt ihr selbst machen!“.

B K: Das war wahrscheinlich die Zeit, in der viele Filme dieser Art produziert wurden.

H K: Ja, absolut. Da wurde einem oft so etwas angeboten. Und auch seriöse Kollegen, deren Namen ich jetzt nicht nennen werde (lacht), haben das gemacht. Es wurde auch gut damit verdient. Aber ich wollte das nicht.

B K: Im Buch schreiben Sie auch über die Faszination Menschen zu beobachten. Sie waren schon zusammen mit so vielen bekannten, bayerischen Charakterdarstellern vor der Kamera. Ob es jetzt z.B. Gustl Bayrhammer war oder auch der schon erwähnte Helmut Fischer. Wer hat Sie am meisten beeindruckt?

H K: Da ist der Gustl schon ganz vorne mit dabei. Wir haben einige „Weißblaue Geschichten“ zusammen gemacht und auch noch andere Dinge gemeinsam gedreht. Vor allem haben wir auch Theater miteinander gespielt. Zum Beispiel am Volkstheater „Der Wittiber“ von Ludwig Thoma. In dem Stück ist es so, dass der Vater, den Gustl gespielt hat, nach dem Tod der Mutter eine junge Magd als Gspusi hat. Die wurde dort gespielt von Bettina Redlich. Ich als Sohn will das aber nicht, werde wahnsinnig, bringe die Magd um und erhänge mich am Schluss selbst. Da hatten der Gustl und ich auf der Bühne ganz intensive Momente. In einer Szene gehe ich ihn an und wir blicken uns ins Gesicht. In solchen Momenten ist die Welt verschwunden. Wir hatten danach, wenn wir bei einem Bier zusammen gesessen sind, oft Abende, bei denen er gesagt hat: „Es passiert immer wieder. Das Publikum ist verschwunden“. Man kann das schwer beschreiben, aber ein Schauspieler weiß, wovon ich rede. Das Publikum und die Zeit sind plötzlich nicht mehr da, sondern nur noch zwei Menschen, die sich in die Augen schauen. Bei der Gelegenheit ergab es sich auch mal, dass der Gustl die Pause viel länger gespielt hat als sonst. Ich dachte nur „wir müssen weiterspielen“, aber er sah mich mit einem ratlosen Ausdruck an, bevor er dann seinen Text weiter gesprochen hat. Irgendetwas stimmte nicht. Nach der Aufführung habe ich ihn gefragt. „Gustl was war denn? Habe ich irgendwas falsch gemacht?“. „Na, aber mir geht’s gar nicht gut.“ Am nächsten Tag hat er mich aus dem Krankenhaus angerufen und erzählt: „Du jetzt woas is was war. I hob an Herzinfarkt ghabt.“ Auf der Bühne. (lacht erstaunt) Und spielt die Vorstellung noch fertig, völlig irre. Also er hat mich wirklich am meisten beeindruckt. Aber auch Toni Berger. Mit ihm habe ich auch lustige Sachen erlebt. Ich war mal drei Jahre lang bei „Die Rosenheim Cops“, wo ich den Wirt Leo gespielt habe und er auch noch dabei war. Oder beim Theaterstück „Gaslicht“, wo er den Kommissar und ich den Drecksack gespielt habe und Michaela May wieder meine Frau war. Wir hatten so einen Spaß. Da war es auf der Bühne immer so, dass der Toni dahinter warten musste, bis ich gehe, aber noch mal zurückmuss, um etwas aus dem Schrank zu holen. Er wartete immer schon hinter der Bühne. Er mit seinem Schirm in der Hand und ich mit einem Stock. Während Michaela May auf der Bühne noch einen Text mit einer Angestellten hatte, haben wir gefochten und uns zum Spaß duelliert. (lacht) Wir haben uns in den Bauch gestochen und oft so gelacht, dass wir die Auftritte verzögert haben, weil wir ja nicht lachend auftreten durften. Toni war einfach ein Kindskopf wie ich auch. Wir haben das insgesamt bestimmt 140-mal gespielt, auch auf Tournee und an der Komödie am Bayerischen Hof. Toni Berger war mir auch sehr nah.

"Weißblaue Geschichten" 1983

B K: Im Vergleich zu Gustl Bayrhammer und Toni Berger waren Sie ja noch der Jungspund. Konnten Sie sich viel von beiden abschauen?

H K: Ja natürlich. Von beiden. Die waren schon außergewöhnlich und auch, wie ich es schon vorher erwähnt habe, authentisch. Die waren mit Herzblut dabei.

B K: Würden Sie sagen, dass Sie ein heimatverbundener Mensch sind?

H K: (überlegt) Jein. Ich brauche schon einen Ort, den ich als mein Zuhause bezeichnen kann. Das ist München. Ich bin seit 50 Jahren hier. Heimat ist ein Ort, wo man liebt und geliebt wird. Dort wo die Familie ist. Letztendlich kann man überall zuhause sein. Ob das Kairo, New York oder London ist. Ich kenne viele Städte, wo ich zuhause sein könnte, wenn dort meine Liebsten wären.

 

B K: Bei der Serie „Wildbach“ haben Sie viel im Alpbachtal gedreht. Da Sie in Garmisch aufgewachsen sind, waren Ihnen die Berge sicher vertraut, oder?

H K: Mit 13,5 Jahren kam ich nach Garmisch und bin mit 19 Jahren wieder weg. Natürlich war ich da auch viel in den Bergen. Am Sonntag nach der Kirche war ich meistens 4 Stunden in den Bergen. Da ist der Wank, das Höllental, Kreuzeck, Alpspitz und der Hausberg. Du gehst raus und bist auf einem Berg. Das habe ich viel gemacht. Und im Winter natürlich Skifahren. Allerdings hat man irgendwann vom Berggehen genug. (lacht) Für die Serie „Wildbach“ hat mir das sicher geholfen, denn man bewegt sich glaube ich einfach anders, wenn man das Gebirge kennt.

B K: Ich finde Ihr Buch „Das Drehbuch meines Lebens“ auch deshalb sehr interessant, weil Sie darin sehr reflektiert schreiben. Sie schreiben von Ihrer Wut und dem Jähzorn als junger Mensch. Trotzdem wirken Sie nicht als jemand, der bereut, sondern alles für sich als Entwicklung genommen hat.

H K: Es ist ja immer so eine Frage mit der Reue. Ich kann etwas bereuen, aber dann immer wieder tun. Und immer wieder bereuen. Wenn ich aus einer Sache etwas für mich mitnehmen kann, dann kann das ein Gewinn für mich sein. Das kann etwas sein, das grundsätzlich schlecht ist, dass ich aber nicht missen möchte, weil es für meine Entwicklung wichtig war und mich besser gemacht hat. Ich weiß heute, dass man niemanden aufs Maul hauen muss, weil mir bewusst ist, wie unschön das ist und es einem Leid tut. Die Entwicklung ist, so etwas anders zu regeln. Man kann nicht irgendwo stecken bleiben und sagen „So bin i hoid!“ oder „ich bin einfach so gestrickt!“, das ist eine Ausrede. Dafür muss man vielleicht auch Dinge erleben. Zum Beispiel habe ich nie wirklich Drogen genommen, weil sie mich nicht interessieren. Ich habe einen Freund, mit dem ich immer, wenn wir uns gesehen haben, einen Joint geraucht habe. Einfach weil er das immer gemacht hat. Ich meinte dann: „Wir sehen uns alle fünf Jahre und dann rauchen wir einen Joint. Aber das gibt mir nichts. Eine Leberkässemmel wäre mir lieber.“ Er hat das auch verstanden. Man muss glaube ich auch das Negative an einem selbst kennenlernen, um zu sagen: „Das ist scheiße, was du da machst! Mach mehr aus dir!“. In vielem, sicher nicht in allem, ist mir das geglückt.

"Die fünfte Jahreszeit" 1982

B K: Diese Entwicklung und auch die Entwicklung hin zu Ihrem Glauben wird im Buch sehr gut beschrieben. Und das, ohne missionarisch zu wirken.

H K: Es ist auch immer schwer zu sagen: „Ich zeig euch jetzt, wie gut das alles ist!“. Im Vorwort des Buchs steht auch: Man lebt von Fehler zu Fehler. Wie könnte ich mir anmaßen zu sagen, wie jemand anderes zu sein hat. Aber man kann sehr ehrlich sagen, was Sache ist, und die Leute müssen selbst einen Nutzen daraus ziehen. Wenn man jemanden ein Messer hinlegt, kann er jemanden damit umbringen oder sich ein Butterbrot schmieren. Ich habe mit meiner Co-Autorin auch besprochen, dass ich keine Biografie möchte, die unehrlich ist. Trotzdem gibt es Dinge, die nicht in die Öffentlichkeit gehören. Die Geschichte mit meiner kranken Tochter wollte ich zuerst nicht erzählt haben, weil das etwas sehr Intimes ist. Karoline (Kuhn, Co-Autorin) hat dann aber einen klugen Satz gesagt. „Es gibt persönliche Dinge und es gibt private Dinge.“ Das persönliche geht schon sehr weit, sollte aber erzählt werden. Das private gehört deiner Familie und dir. Ich habe also mit dieser Geschichte, die ich zum ersten Mal so erzählt habe, lange gezögert, weil es wirklich sehr persönlich ist. Sie meinte „Horst, die Geschichte muss ins Buch! Das hat sowohl mit dir als auch mit deiner Entwicklung und deinem Glauben zu tun.“

B K: Gibt es für Sie persönlich eine bayerische Lieblingsserie?

H K: (ohne lange nachzudenken) „Isar 12“. Ich glaube ich war fünf Jahre alt, als die Serie rauskam und ich bin so froh, dass es sie mittlerweile auf DVD gibt. Als Kind habe ich gestaunt, was für eine tolle Serie das ist. Ich gucke das heute noch ab und zu und meine Frau sagt dann „Guckst du das jetzt schon wieder?“. (lacht) Das alte München und der Tischlinger… großartig! (überlegt) Ich habe ja viel mit Franz X. Bogner gedreht, zum Beispiel bei „Cafe Meineid“ und „München 7“. Er hat mir dann mal in der Drehpause erzählt, dass ihn die Serie „Funkstreife Isar 12“ dazu inspiriert hat. Ich habe ihn dann gefragt: „Hast du des gschaut?“. Er: „Ich hab das gefressen!“, „Ja, ich auch!“. Ich glaube wir haben dann zwei Stunden darüber geredet, bevor es irgendwann mal geheißen hat „Wir müssen jetzt wirklich weiterdrehen!“. (lacht) Er war also auch wirklich von „Isar 12“ begeistert. Ich hatte das große Vergnügen, noch einmal mit dem damals schon alten Karl Tischlinger zu drehen. Das war beim Fernsehfilm „Rambo Zambo“ (gedreht 1983, kurz vor Tischlingers Tod) und ich hatte zittrige Hände, weil ich mit meinem „Star“ drehen durfte. (lacht) Ich war so stolz mit ihm drehen zu dürfen und was passiert? Die Szene wurde rausgeschnitten, weil es zu lang war. Ich habe Regisseur Reinhard Donga angerufen: „Reinhard! Warum die Szene? Ich wäre einmal mit Karl Tischlinger zu sehen gewesen!“.

B K: Vielen Dank Herr Kummeth für das Gespräch.

H K: Gerne. Ich sage danke.

Horst Kummeth (geb. 1956) ist ein bekannter deutscher Schauspieler und Autor, der vor allem als Apotheker Roland Bamberger in „Dahoam is Dahoam“ (2007–2024) Kultstatus erreichte. Der gebürtige Franke aus Garmisch-Partenkirchen prägte Serien wie "Hans im Glück", "Weißblaue Geschichten", "Forstinspektor Buchholz", "Die Rosenheim Cops" und „Wildbach“ und ist zudem als Drehbuchautor und Produzent tätig.

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