|
Interview mit
Rudi
Dolezal
(März
2026)
Kaum jemand kannte Falco so gut wie sein langjähriger Wegbegleiter und
Freund, der Filmemacher Rudi Dolezal.
Er ist international vielfach ausgezeichneter Starfilmer, drehte Videos mit
Queen und Sänger Freddie Mercury und filmte mit Stars wie den Rolling
Stones, Whitney Houston oder Bruce Springsteen. Eine besondere Freundschaft
verband ihn mit Falco, für den er alle Videos drehte, auch den Clip zum
Welthit "Rock Me Amadeus". Zum Jubiläum des einzigen deutschsprachigen
Songs, der je in den USA auf Platz 1 der Hitparade stand, erinnert sich
Dolezal in bislang unbekannten Anekdoten an den Superstar und Freund. Er
gibt intime Einblicke in das Leben hinter der Künstlerfigur Falco, erzählt
von bisher unveröffentlichten Falco-Songs, warum das Video zum Welthit fast
nicht zustande gekommen wäre und erklärt, nach seiner Recherche vor Ort in
der Dominikanischen Republik, warum der Tod des Weltstars vermeidbar war. |

Seine Dokumentationen über Freddie
Mercury oder Miles Davis wurden bei den GRAMMYs (dem »Oscar der Popmusik«)
ausgezeichnet, ebenso sein Video zu »Rock Me Amadeus«. Zudem wurden ihm drei
Goldene ROMYs und sechs ECHOs verliehen.
|
Bayerische
Kultserien:
Rudi, meine erste Frage: Wie würdest Du „Kult“ definieren?
Rudi Dolezal:
„Kult“? (überlegt) Der von mir sehr geschätzte Musiker Tom Waits hat mal
gesagt: „Kult bedeutet, dass man nichts verkauft.“ (lacht) Das man also
großartige Dinge macht, die sich aber nicht verkaufen. Ich glaube das „Kult“
etwas ganz Besonderes ist, das in meinen Augen durchaus sein Publikum findet.
Als ich 1979 mit Tom Waits gedreht habe, gab es in Wien via Import, gerade mal
drei LPs von ihm. Der große Vorteil der letzten 20 Jahre ist ja, das selbst wenn
dann nur so eine „Minderheit“ auf Tom Waits steht, es weltweit doch 30.000 bis
zu einer Million sein können. Deswegen ist „Kult“ nicht mehr unverkäuflich,
sondern spricht spezielle Publikumsschichten an. Für mich ist Falco Kult, aber
z.B. auch Die Toten Hosen, Nina Hagen oder Fanta 4.
|
B K:
Ich würde gerne eine Frage, die Du auch im Vorwort zu Deinem neuen Buch „Falco
– Die ganze Wahrheit“ stellst aufgreifen. Warum noch ein Falco-Buch?
R D:
Ich habe kurz nach seinem Tod ein Buch geschrieben, dass ein Drehbuch für
einen Kinofilm gewesen wäre, den es so aber leider nie gegeben hat. Das hieß
„Falco - Hoch wie nie“. Das neue Buch erscheint nun anlässlich zum 40.
Jubiläum des Songs „Rock Me Amadeus“ am 28.03., ein Tag den ich nie
vergessen werde. Im Buch nenn ich ihn „Der Tag, der mein Leben veränderte“,
weil ein Nummer 1 Hit in Amerika von einem Österreicher, mit dem
dazugehörigen Video in der sogenannten „heavy Rotation“ auf MTV auch von
einem Österreicher, wohl nicht mehr so schnell erreicht werden wird. Durch
meine Freundschaft mit dem Hans (Hans Hölzel, Falco), sind so viele Dinge
unerzählt, dass ich mir gedacht habe, bevor ich die Lust verliere darüber zu
reden, bin ich das meinem Freund schuldig. Das Buch hat den Titel „Die ganze
Wahrheit“, nicht weil ich nur Skandale aufzeigen will, sondern weil ich auch
einen anderen Falco beschreibe, der weg wollte von den Drogen, weg vom
Alkohol und der versucht hat ein anständiger, ordentlicher Mensch zu sein.
Was er auch war, wenn er nüchtern war. Ein aufgeschlossener, interessanter
Zeitgenosse, mit dem man es lustig haben konnte. Wenn er allerdings
betrunken oder auf Drogen war, war er ein Arschloch. Das habe ich ihm auch
sehr oft gesagt, aber das nutzte halt nix. Alkoholismus und
Tabletten-Abhängigkeit ist nunmal eine Krankheit. Außerdem haben in den
letzten Wochen und Monaten so viele Leute Blödsinn über den Falco erzählt,
die ihn nie getroffen haben. Ich denk, dass ich mit meiner engen
Zusammenarbeit und Freundschaft doch ein authentischerer Zeitzeuge bin als
z.B. manch ein Musical-Darsteller. Daher schreibe ich die wichtigsten Dinge,
die mir zu ihm einfallen sehr persönlich. Deswegen handelt es sich um keine
Biografie, sondern um Erlebnisse aus erster Hand. Und auch wenn es „die
ganze Wahrheit“ heißt, gibt es gewisse Dinge, die niemanden etwas angehen.
Trotzdem ist auch diese Wahrheit manchmal ganz schon heftig.
|

© Rudi Dolezal

|
B K:
Gerade im Bereich „Kult“ oder Personen, die „Kult“ geworden sind, gibt es im
Nachgang ja viele Leute, die meinen alles zu kennen und eine Meinung zu haben.
R D:
Ich
kann z.B. über Frank Sinatra, den ich nie getroffen habe, auch nur sagen, was
seine Musik für mich bedeutet. Aber ich könnte mir nicht anmaßen zu sagen, warum
Frank Sinatra Alkohol getrunken hat oder diverse Frauengeschichten hatte. Das
wäre lächerlich. Gerade in Österreich, aber auch in Deutschland, glauben viele,
dass sie Falco-Spezialisten sind. Jeder hat ihn gekannt und jeder war sein
bester Freund. In Wahrheit hatte er drei beste Freunde. Einer war Billy
Filanowski (langjähriger Freund und Weggefährte), einer ein Herr, den ich nicht
nennen darf und einer ich.
B K:
Die
EAV dichtete mal zu Falco: „In Österreich muss man sterben, dann ist man wieder
wer“.
R D:
Das
ist übrigens nicht von meinen Freunden der EAV, sondern im Ursprung mit dem Satz
„In Wien mußt' erst sterben, damit sie dich hochleben lassen. Aber dann lebst'
lang.“, vom berühmten Kabarettisten Helmut Qualtinger. Das ist aber richtig. Ein
Kapitel im Buch heißt auch „Musste er sterben, um zu leben“. Darin ist ein Zitat
von Regisseur und Schauspieler Paulus Manker, der meinte: „Jetzt kommt der
gefährliche Satz: Der Mann starb zum richtigen Zeitpunkt“. Was er damit meint?
Falco wurde nicht alt. Du kennst keine Fotos von Falco mit Bierbauch oder mit
Glatze, grauen Haaren und zu viel Falten im Gesicht. Falco war wie James Dean,
der auch ganz früh bei einem Autounfall gestorben ist. Es gibt keine Fotos von
einem alten James Dean oder einem alten Falco. Keine ECHTEN Fotos, wenn wir
jetzt mal die Möglichkeiten mit KI außen vorlassen. Zusammen mit der Musik, die
heute noch genauso zeitlos ist, wie damals und bei der man erst jetzt merkt, wie
sehr Falco seiner Zeit voraus war. Ein Album wie „Junge Römer“ galt als Flop,
weil kein Hit darauf war, wie z.B. „Der Kommissar“. Heute sagen acht von zehn
Musikspezialisten, dass es ein wahnsinnig großartiges Album ist.
B K:
Nochmal provokant gefragt: Hätte Falco heute so einen Legendenstatus, wenn er
noch am Leben wäre?
R D:
Das
ist eine schwierige Frage, weil ich als Freund mir natürlich wünsche, dass er
noch leben würde. (überlegt) Ich glaube aber, dass der Kultfaktor und die
Legende und da zitiere ich jetzt gerne auch nochmal Paul Manker, „mit diesem
großen Tod eines Autounfalls“ zu tun hat. Er ist nicht im Supermarkt
ausgerutscht und hat sich das Genick gebrochen oder so. Auf diese Art und Weise
war es ein größerer Tod, ein „Heldentod“ quasi, weil die Helden der heutigen
Zeit die Popkünstler sind. So gesehen spielt das ineinander.
B K:
Ein
Anlass für das Buch ist das 40jährige Jubiläum von „Rock Me Amadeus“, der als
erster und bislang einziger deutschsprachiger Song, sowohl in den
US-amerikanischen Billboard Hot 100 als auch in den britischen Singlecharts die
Chartspitze erreichen konnte. Kann man denn bemessen, welchen Anteil das von Dir
gedrehte Video daran hatte?
R D:
Bei
„Rock Me Amadeus” bin ich absichtlich immer bescheiden. Viele Leute sagen, das
Video hätte den Hit gemacht. Tatsächlich war es schon einer meiner
Geniestreiche, immerhin haben sich bisher über 100 Millionen Menschen das Video
online angeschaut. 1986 war es das meistgespielte Video in der ganzen Welt. Als
mir Hans damals die erste Rohversion von „Amadeus“ vorgespielt hat, habe ich
gesagt „das ist ein Welthit!“. Und ich habe nicht wirklich viele Hits in einem
Leben vorhersagen können. Meistens lag ich falsch. Bei „Emotional“ von Falco
habe ich auch gesagt „Geil, das wird ein Hit!“. Wurde er leider nicht. Ich lag
bei drei Songs von ihm richtig und das waren „Rock Me Amadeus“, „Jeanny“ und
„Out oft he Dark“. Ich glaube die Hitqualität des Songs wurde durch mein Video
nicht unerheblich verstärkt. Vor allem in Amerika und England, wo er „nur“ das
Lied „Rock Me Amadeus“ hatte und sozusagen ein One-Hit-Wonder war. Dort erinnern
sich die Leute eben speziell an das Video. Produzenten aus den USA haben dann
gesagt: „Wie habt ihr das aufgenommen? Mit diesen Kulissen muss das ja
wahnsinnig teuer gewesen sein!“. (lacht) Ich musste dann schmunzeln, weil
wir zum Drehort, dem Palais Schwarzenberg, mit der U-Bahn hinfahren konnten. Die
Amerikaner konnten sich halt nicht vorstellen, dass solche Bauten in Wien noch
stehen, weil sie mit Historie und Geschichte nicht viel am Hut hatten.

© Rudi Dolezal
B K:
Heutzutage haben Musikvideos nicht mehr diese Relevanz wie früher. Könnte man
sagen, Du warst zur richtigen Zeit am richtigen Ort?
R D:
Das
könnte man so sehen. „Rock Me Amadeus“ war allerdings nicht mein erstes Video.
Da gab es natürlich schon Zusammenarbeiten mit Wolfgang Ambros und ein paar
andere österreichische Künstler, sowie auch mit der deutschen Band Extrabreit.
Und 1982 mit den Rolling Stones bei „Time Is On My Side”.
Der
Schlüsselmoment war glaube ich 1978, als ich einen Herrn namens Frank Zappa
getroffen habe, der sozusagen mein Mentor war, weil er mir gesagt hatte: „Du
musst die Künstler verstehen und etwas mit ihnen drehen, was anders und
ausgeflippter ist.“ Bis zu diesem Zeitpunkt war ich ein braver Fernsehredakteur,
der Interviews gedreht hatte. (überlegt) Ich war glaube ich schon zur
richtigen Zeit am richtigen Ort, aber wie ich es auch schon in meinem Buch „My
Friend Freddie“ auf die Frage „Was ist das Erfolgsgeheimnis?“ geschrieben habe,
kann ich hier nur antworten: Dran bleiben! Sich selber nicht so wichtig nehmen
und den richtigen Riecher haben. Natürlich musst Du auch kreativ sein und etwas
können. Weder das „Rock Me Amadeus“-Video noch „I’m Going Slightly Mad” mit
Queen oder “Hungry Heart” mit Bruce Springsteen haben sich von alleine
produziert. Auch wenn Eigenlob stinkt, war dazu doch etwas Gehirnschmalz nötig.
(lacht) In den späten 80er und 90er Jahren war meine Firma ein enormes
Kreativ-Zentrum. Einer meiner früheren Regie-Assistenten Stefan Ruzowitzky hat
vor einigen Jahren mit seinem Film „Die Fälscher“ einen Oscar für den besten
ausländischen Film gewonnen. Da habe ich schon gute Leute in die Firma geholt,
weil ich ja sowieso nicht alles selber machen konnte. Wir haben im Jahr 250
Musikvideos gedreht. Das kann nicht alles der Dolezal machen.
B K:
Im
Buch kommt auch zum Vorschein, wie schwierig in vielen Situationen auch die
Zusammenarbeit mit Falco war. Was braucht es neben dem Verständnis für die
Künstler noch, um mit solchen Persönlichkeiten klarzukommen?
R D:
Schau, ich habe immer gesagt ich bin ein Musiker und mein Instrument ist die
Kamera und der Schnittrhythmus. Was Wenige wissen, ich habe einen musikalischen
Background. Als junger Mensch habe ich am Konservatorium klassische Gitarre
gelernt, konnte die alten Meister spielen und habe kleine Konzerte gegeben. Und
mein Vater war Chorsänger. Und das hat mir geholfen jedes Video gut zu
schneiden. Auch jede Doku. Roger Tylor von Queen war mal sehr fasziniert von der
Art wie gut ich sein Spiel eingefangen hab. Da hatte ich ein gutes Gespür und
das merken die Künstler dann. So bin ich zu jedem Popstar mit dem Verständnis
eines Musikers gegangen. Nicht wie ein Journalist und nicht von außen. Ich war
auch nie objektiv und habe kaum Filme über Bands gemacht, die mit nicht gefallen
haben. Auch wenn wir uns zu Beginn mal über die Volksmusikszene oder Schlager
lustig gemacht haben. Dann arbeitest du das erste Mal mit Peter Alexander oder
Udo Jürgens zusammen und merkst, was für Profis das sind. Dann ist das
vielleicht nicht die Musik, die ich nicht höre, aber die Professionalität und
die Staying-Power ist stark. Freddie Mercury hat immer gesagt „Einmal Nummer
eins ist einfach. Oben bleiben ist die Schwierigkeit!“.
B K:
Ist
die Arbeit, wie Du sie machst, heutzutage mit allen technischen Möglichkeiten,
einfacher?
R D:
(überlegt)
Ich würde nicht sagen leichter. Gut finde ich, dass sich das Musikvideomachen
demokratisiert hat. Ich habe letztens alte Unterlagen ausgegraben, wo ich für
den Konzertdreh zur „Jaja“-Tour von Marius Müller-Westernhagen das Budget
gefunden habe. Was damals das Catering gekostet hat, ist heute das ganze Budget
für einen Live-Mitschnitt mit 20 Kameras. So hat sich das Ganze verändert. Wenn
du es beherrscht, kannst du heute mit Handys oder Fotoapparaten, die HD-tauglich
sind, Videos machen, die dem in nichts nachstehen. Früher wurde eben auf
35-mm-Film gedreht, da war die Überspielung und Entwicklung teuer. Ich beneide
die jungen Menschen um die heutigen Möglichkeiten, aber nicht darum, dass
heutzutage so wahnsinnig viele Videos auf dem Markt sind. Als es früher noch MTV
gab und ich VIVA gegründet habe, war ein Song mit einem Video in der Heavy
Rotation ziemlich sicher ein Chartstürmer. Das waren aber nur 5 oder 6 Videos in
der Woche, die das geschafft haben. Heutzutage hat man Social Media und ein
irrsinniges Angebot an Verbreitungskanälen, dass man erstmal finden muss, was
einen begeistert.
B K:
Also mehr Verbreitungsmöglichkeiten, aber man geht auch leichter unter dem
großen Angebot unter?
R D:
Genau.
|

© Rudi Dolezal |
B K:
Haben sich Falco und Freddie Mercury eigentlich jemals getroffen bzw.
Kontakt gehabt?
R D:
Nein. Im Buch beschreibe ich allerdings eine Geschichte, bei der mich
Freddie von Zeit zu Zeit in sein Haus eingeladen hat und immer wollte, dass
ich ihm Sachen vorspiele, die nichts mit Queen zu tun haben. U.a. habe ich
ihm auch „Rock Me Amadeus“ vorgespielt, was ihm sehr gut gefallen hat. Er
hat das Video und den Song sehr gelobt. Im Video gibt es eine Szene, die nur
ca. 4 Sekunden dauert, bei der ein Kardinal neben einer hübschen Dame sitzt.
Freddie meinte er hätte diese Rolle gerne im Video als „Cameo Appearance“
gespielt. Leider halt erst nachdem das Video schon gedreht war. Ich habe es
Falco später erzählt und er meinte: „Mein Gott, das wäre was gewesen!“.
(lacht)
B K:
Mit beiden hat Dich die Freundschaft bis zum Tod verbunden. Und auch viele
andere Rockstars, mit denen Du gearbeitet hast, weilen schon nicht mehr
unter uns. Wirst Du manchmal nachdenklich, wenn Du Tod eines Künstlers
erfährst?
R D:
Ich habe das Gefühl dieses und letztes Jahr sind wahnsinnig viele Leute
gestorben. Musiker wie John Mayall, Chris Rea, mit dem ich gearbeitet habe,
oder Sly & Robbie, die Reggae-Pioniere. Natürlich bedrückt mich das. Auf
Social Media mache ich ein Posting und schreibe „Rest in Peace“, auch wenn
man vorher weiß, dass ihr Ende im Leben mittlerweile näher ist als der
Anfang. Selbst wenn man heute sagt „80 ist das neue 60“. Ich bemühe mich ja
selber ein fitter Oldie zu sein. Aber natürlich berührt mich das.
(überlegt) Auch Frank Zappas Tod hat mich berührt, Whitney Houston, Tina
Turner…
|
B K:
Ich
wollte Dich um Deine Meinung zu zwei Filmbiografien befragen. Die erste wäre zum
Film „Falco – Verdammt, wir leben noch!“ (U.a. auch mit Christian Tramitz) und
natürlich zum Queen-Biopic „Bohemian Rhapsody“.
R D:
Ich
kenne den Regisseur von „Verdammt, wir leben noch!“ Thomas Roth sehr gut. Und
ich spreche eigentlich nicht schlecht über die Regiearbeit von Kollegen.
(überlegt) Da es ja bei vielen Biopics heißt „…auf Grundlage der Biografie
von…“, habe ich mit meinem Buch „Falco – Hoch wie nie“, das 1998 erschienen ist,
quasi die Grundlage selber geschrieben. Das hätte eigentlich ein Film sein
sollen, bei dem die Bavaria Film schon zugesagt hatte, Falcos Mutter
einverstanden war, Bolland & Bolland (bekanntes Produzenten-Duo; u.a. „Rock Me
Amadeus“) sich für die Filmmusik bereit erklärt hatten und auch BMG den
Soundtrack veröffentlich hätte. Die Filmförderung stand auch schon fest. Es gab
dann an oberster Stelle des ORF einen Positionswechsel. Die österreichische
Filmförderung ist so strukturiert, dass die Hälfte davon immer der ORF zahlt und
entsprechend zustimmen muss. Deren Generalintendanz hat es dann abgesetzt, weil
die zuständige Dame Vorbehalte gegen mich hatte. So entstand daraufhin die Idee,
dass jemand anderes den Film macht. Ich vergönne es aber Thomas Roth absolut!
Mein damaliger Partner war etwas diplomatischer eingestellt, aber ich empfand
den Hauptdarsteller als nicht gut und bin auch der Meinung, dass Falco selber
nach 20 Minuten aufgestanden und gegangen wäre. Tut mir leid.
B K:
Die
Kritiken fielen ja auch eher verhalten aus.
R D:
Dabei musst ich ihnen ja die Rechte geben, weil im Film ja meine Musikvideos
nachgedreht wurden und ich auch das geistige Copyright hatte. Da habe ich auch
nachgegeben, damit es nicht heißt ich würde mich querstellen, nur weil ich den
Film nicht selber produziere.
B K:
Wie
hat Dir der Freddie Mercury-Film „Bohemian Rhapsody“ gefallen, der 2018
erschienen ist?
R D:
Ich
bin immer noch mit Brian May, Roger Taylor und deren Manager Jim Beach
befreundet und wurde von ihnen zur Weltpremiere nach London eingeladen. Von mir
gab es ja schon die Doku „Freddie Mercury: The Untold Story“, die mit einem
Grammy ausgezeichnet wurde. Beim Treffen mit Jim hatte ich die Idee, zu dem Film
eine Doppel-Blu-ray herauszubringen. Auf der einen den Film „Bohemian Rhapsody“,
auf der anderen die Doku. Jim meinte dann nur „Tut mir leid, das geht nicht.“.
Ich darauf „Wieso geht das nicht? Ich habe die Rechte und du hast die Rechte.“
Er: „Das geht nicht. In deinem Film stimmt ja alles.“ (lacht) Es sind viele
Dinge in „Bohemian Rhapsody“ falsch. Das wurde aber bewusst gemacht und ist
ihnen nicht passiert. Das sind u.a. so Kleinigkeiten, wie die Geschichte der
Erfindung des Spitznamens „Jim Miami Beach“ von Manager Jim Beach. Das war
nämlich Freddies Idee, der meinte auf dem Live-Album „Live Magic“ von 1986, muss
jeder unbedingt einen Spitznamen haben. So war dort z.B. der Tourmanager Gerry
Stickles als „Gerry Grumpy Stickles“ und Dolezal/Rossacher als die „Torpedo
Twins“ und eben „Jim Miami Beach“ angegeben. Im Film wird es anders erzählt. Was
mich aber am meisten gestört hat ist, dass Freddie nie vorhatte Queen zu
verlassen. Zu sagen „Live Aid“ hätte sie wieder zusammengebracht ist eine
absolut falsche Aussage. Ich habe Interviews mit Freddie gemacht, wo er sagte „Who
kills the goose, who lays the golden eggs!“. Sowohl Brian May als auch Roger
Taylor hatten zu dem Zeitpunkt schon Solo-Alben gemacht und sind auch immer bei
Queen geblieben. Freddie hat dann mit dem Solo-Album „Mr. Bad Guy“ einen guten
Deal mit einer anderen Plattenfirma gemacht, aber nie vor Queen zu verlassen.
Sehr gut finde ich, dass sie viele Dinge wirklich detailgetreu nachgestellt
haben. Das war eine großartige akribische Arbeit vom Team.
B K:
Bleibt eigentlich die Frage, wann DEIN Leben verfilmt wird?
R D:
(überlegt)
Naja, von allem, was ich seit 1975 gefilmt habe, gibt es ca. 40.000 Stunden
Filmmaterial. An vielem habe ich die Rechte an manchem nicht, aber das könnte
man klären. Das neue Falco-Buch hat mich jetzt viel Kraft gekostet, weswegen ich
jetzt nicht sofort ein neues Buch machen kann. Auch wenn ich in zwei Jahren
einen runden Geburtstag habe. Und ob dieses dann verfilmt werden würde…
(lacht) Das müsste man erst mal jemanden finden, der sich das traut. Die
Frau des berühmten Filmkritikers Roger Ebert hat mal zu mir gesagt: „Die
Geschichte Deines Lebens ist eigentlich ein Musical, wo die ganzen Hits
enthalten sind, an denen du beteiligt warst.“

© Rudi Dolezal

B K:
Gibt es Material, dass Du nie veröffentlichen würdest?
R D:
Es
gibt Material, bei dem ich geschockt war, als es passiert ist. Eines davon hat
mit Falco zu tun und ich beschreibe das auch im Buch. Beim Video zum Song
„Charisma Kommando“ ist Hans leider trotz Vorkehrungsmaßnahmen so betrunken am
Set erschienen, dass er beim dritten Take umgefallen ist. An den Kameras hatte
ich damals auch immer kleine High 8-Kamera montiert, damit wir Making
Of-Material vor und nach den Takes aufnehmen konnten. Als er nach dem Umfallen
auf die Kameras zugekrochen ist und das ganze Team auf das übelste beschimpft
hat, habe ich sofort das Tape aus der Kamera genommen. Das liegt bis heute in
meinem Safe und ich habe es mir auch nie wieder angeschaut. Etwas ähnliches ist
mir mit einem österreichischen Musiker, der ein guter Freund von Falco war, aber
in Deutschland relativ unbekannt ist, passiert. Hansi Lang war drogensüchtig und
hat mir bei einem Dreh in meinem Haus das Waschbecken runtergerissen.
B K:
Bei
allen Geschichten, die Du erzählen kannst, würdest Du den Spruch „Wer sich an
die 80er erinnern kann, der war nicht dabei“ unterschreiben?
R D:
(lacht)
Nein, weil ich mich an ziemlich viel aus den 80ern erinnern kann. Und ich war
auch dabei. Natürlich gibt es auch bei mir sogenannte „Black Holes“, bei dem ich
Details vielleicht nicht mehr weiß. Der Spruch spielt natürlich auf den Drogen-
und Alkoholkonsum an. Ich habe die späten 70er, 80er, 90er und 0er Jahre erlebt
und kann mich an erstaunlich viel erinnern.
B K:
Du
bist quasi der Gegenbeweis zu diesem Klischee. Verrätst Du uns noch etwas aus
Deinem Buch?
R D:
(überlegt)
Ich hatte am 5. Februar 1998 meinen 40. Geburtstag. Mein Team hatte damals die
Idee gehabt, Musiker zusammenzubringen, für die ich Videos und Dokus gedreht
hatte. Die sollten in einer Art kleinen Superstar-Band in einem kleinen Club am
Stadtrand von Wien auftreten. Völlig unvorhergesehen haben meine Freunde von
Queen gesagt, sie kommen extra nach Wien und spielen ein kleines Konzert in dem
kleinen Club. Der Bassist von Queen, John Deacon, hat von Anfang an gesagt er
kommt nicht mit. Falco war ausgebildeter Bassist. Also habe ich ihn angerufen
und gefragt „Hans magst du nicht mit Queen Bass spielen? Peter Maffay, Campino,
Nina Hagen und Ambros kommen auch.“ Nachdem er zugesagt hatte, vergingen die
Tage. Die letzten fünf Tage vor meinem Geburtstag habe ich ihn telefonisch nicht
mehr in der Dominikanischen Republik erreicht. Was ich nicht wusste: Er war
clean und hatte sich im Ort Cabarete in eine junge Frau verliebt. Er ist sogar
extra dorthin gezogen, weil es für ihn eine große Liebe war. Es war Falcos Pech,
dass ihr Vater Bürgermeister von Cabarete war und bei einem Essen meinte: „Ein
Popstar kommt mir nicht ins Haus!“. Denn die sind natürlich alle Alkoholiker und
drogensüchtig. Sie hat daraufhin die Beziehung beendet, woraufhin er in eine
tiefe Depression gefallen ist. Diese war der Grund für seinen Rückfall und auch
der Grund für den Unfall, bei dem er getötet worden ist. Er kam also nicht zu
meinem Geburtstag. Am frühen Morgen, nach der Party sehe ich ein Fax in meinem
Office. Das ist auch im Buch abgebildet. „Lieber Rudi, alles Gute! Wir sehen
uns. Love & Peace“. Ich fand es nett, dass er mir wenigstens ein Fax geschrieben
hat, wenn er schon nicht anruft oder kommt. Es war einer der schönsten Tage im
Leben für mich. Eine Stunde nachdem ich mich hingelegt hatte, ruft meine Mutter
an und sagt: „Im Radio haben sie gerade gesagt der Falco ist tot!“. Das letzte,
was Hans Hölzl in seinem Leben gemacht hat, war das Fax an Rudi Dolezal zu
schreiben, sich dann schon betrunken und drüber ins Auto zu setzen, sich vor
eine Bar zu stellen, weiterzusaufen und dann mit dem Auto in einen Bus zu
fahren.
B K:
Dein Geburtstag und sein Todestag bleiben damit tragischerweise verbunden. Rudi
ich danke Dir für Deine Zeit.
R D:
Sehr gerne.
|
Falco ist auch Jahrzehnte
nach seinem Tod keine abgeschlossene Musikgeschichte, sondern eine Figur,
über die bis heute gesprochen, diskutiert und gerätselt wird. Genau dort
setzt Rudi Dolezal mit seinem neuen Buch „FALCO – Die ganze Wahrheit“, das
am 21. März erscheint an. Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der Nummer 1
in den US-Billboard Charts des Falco-Hits „Rock Me Amadeus“ präsentiert Rudi
Dolezal eine multimediale Leseshow mit unveröffentlichten Videos und Fotos.
Rudis World -
Rudi Dolezals World |

Hier
bestellbar |
|
|