Bayerische Kultserien
Das Beste aus Film und Fernsehen...

Interview mit Georg Maier

(23.03.2012 - Iberl Bühne/München-Solln)

http://www.iberlbuehne.de

Bayerische Kultserien: Herr Maier, als ich Ihren ehemaligen Kollegen Sepp Schauer nach dem Geheimnis des Erfolges der Iberl Bühne gefragt habe, gab er mir zur Antwort: „Der Maier hat halt schon immer ein Händchen für gute Schauspieler gehabt!“. Ein schönes Kompliment oder?

Georg Maier: Ja, das ist sehr nett. Offensichtlich habe ich wirklich eine gute Hand dafür.

B K: Womit begründen Sie den Erfolg der Iberl Bühne?

G M: Mei, wenn ich das begründen könnte, dann würde ich ein Patent dafür anmelden. (lacht) Es ist jedes mal wieder neu und man geht mit jedem neuen Stück wieder ins kalte Wasser. Man versucht sich halt immer wieder zu verbessern und im Gegensatz zu vielen anderen im Sektor Volkstheater Qualität zu bieten. Aber wirklich spezielles Geheimnis gibt es nirgends. Auch bei den größten Regisseuren, die die größten Filme machen,  ist irgendwann mal ein Flop dabei. Man muss es immer wieder ausprobieren. Ein Patent gibt es nicht.

B K: Wissen Sie wieviel Bühnenstücke Sie bisher geschrieben haben?

G M: Ja, haben wir das letzte Mal erst nachgezählt. 38 Stück…wobei, jetzt kommen nochmal welche dazu, dann sind es schon über 40.

B K: Wissen Sie auch noch wie oft Sie bisher selber auf der Bühne gestanden sind?

G M: Oh… (denkt nach) Ich hab das irgendwann mal ausgerechnet, kann mich aber an die Zahl nicht mehr genau erinnern. Hm…das waren früher so an die 300 Mal im Jahr. Das macht in zehn Jahren ca. 30 000. Joa ich schätze so 100 000 – 120 000 mal bestimmt.

B K: Wahnsinn. Das ist eine gewaltige Summe! Haben Sie auch jemals für ein anderes Theater außer dem Iberl gespielt?

G M: Nein, ich selber nicht, aber meine Stücke werden verlegt und andere Bühnen spielen sie. Ich selber hätte gar keine Zeit gehabt woanders zu spielen. 

B K: Woher nehmen Sie die Ideen und die Kreativität für die ganzen Stücke?

G M: Die Kreativität wird wohl irgendwo bei mir angesiedelt sein, zumindest sagen das die Leute. (lacht) Was die Ideen angeht, auch hier habe ich kein Patent. Entweder Ideen kommen oder sie kommen nicht. Natürlich beobachtet man viel in seinem Leben, da kann es schon passieren, dass ein gefallener Satz die Idee für ein neues Stück auslöst. Das tröpfelt halt manchmal so in den Kopf hinein…und Gott sei dank tröpfelt es noch! (lacht)

 B K: Wie sind Sie denn zum Fernsehen gekommen?

G M: Wir waren schon als junge Leute immer mal beim Fernsehen dabei und haben kleine Nebenrollen gespielt. Da war man noch gar kein Schauspieler in dem Sinn. Von dem her war ich schon immer beim Fernsehen. Wir haben damals z. B. Rock’ n Roll getanzt oder ähnliches und alles wofür wir Geld gekriegt haben. Dann hat man irgendwann mal Leute gekannt und war dadurch immer in Kontakt.

B K: Auf der Bühne sind Sie ja selber Regisseur und Autor.

G M: Ja, richtig. Ich schreibe alle Stücke selber und inszeniere sie auch.

B K: Auf der Homepage der Iberl Bühne werden Sie selber ja als etwas schwierig wenn nicht sogar streng beschrieben. Ist das wirklich so?

G M: (lacht) Die einen sagen so, die anderen so. Aber im Ernst, es macht bestimmt keinen großen Spaß mit mir arbeiten zu müssen, aber das was hinterher rauskommt, das macht den meisten dann doch Spaß. Ich hab nun mal ganz klare Vorstellungen und deswegen haben die Schauspieler bei mir wenige Möglichkeiten sich selber einzubringen. Ich muss es so schnitzen wie es mir passt. Wenn das jemand mit mir nicht mitmachen kann, versteh ich das, aber dann passen wir halt auch nicht zusammen. Das ist meine Art und solange die Leute hier begeistert rausgehen, glaube ich das es richtig ist, da lasse ich mir nicht reinreden. Der Schlussapplaus ist für mich das was zählt. 

B K: Wie ist es denn dann für Sie beim Fernsehen von einem anderen Regisseur Anweisungen zu bekommen?

G M: Schwer. (lacht) Früher habe ich mit sehr guten Regisseuren gearbeitet und da hat es wirklich Spaß gemacht, aber heute ist es so, dass da viel Fließbandarbeit im Spiel ist und sie auch gar nicht mehr die Möglichkeit haben etwas gut auszuarbeiten. Da gibt’s viel 0815-Arbeit. Früher wenn ich mal gesagt hab „Lass mich bitte die Szene nochmal machen, ich kann das noch besser“, dann konnte man die Szene 2-3mal wiederholen und es war besser. Heute heißt es dann „Dafür haben wir keine Zeit!“. Da läuft nur noch viel Rotz im Fernsehen.

B K: Mit „Früher“ meinen Sie da auch die Zusammenarbeit mit Helmut Dietl und Franz X. Bogner?

G M: Auch der Franz Geiger oder Franz Peter Wirth, der seiner Zeit zu den bekanntesten zählte.

B K: Mit wem haben Sie denn am liebsten gearbeitet?

G M: Ja, da muss ich schon sagen mit dem Bogner. Mit dem Helmut Dietl aber auch. Aber mit dem Franz X. Bogner hab ich teilweise auch zusammen geschrieben und da reicht dann ein Blick um zu wissen wie jemand etwas meint. Der hat mich angeschaut und ich wusste was er will, zumindest nehme ich das an, dass es so war. (lacht)

B K: Man sagt von Franz X. Bogner ja auch, dass er an etwas von ihm Geschriebenem keine oder nur wenig Veränderung zulässt und die Texte auch genau so umgesetzt haben will…

G M: Wenn man die Stücke schreibt ist man ja schon mal ca. ein halbes Jahr damit beschäftigt bevor es dann der Schauspieler in die Hand kriegt. Also ist man schon in dem Stück total drin und der Darsteller muss erst reinkommen. Ich z. B. versuche ja immer einen Block aus der Mannschaft, bzw. dem Team zu schnitzen. Für mich als Regisseur wichtig, weil es sonst auseinander driftet. Das ist wie bei einer Fußballmannschaft, wo auch nicht ein Einzelner als Star glänzen kann.

B K: Wo ist denn z.B. der Unterschied, ob ein Franz X. Bogner oder ein Helmut Dietl Regie führt?

G M: Naja, der Helmut Dietl z.B. lässt einen mehr selber machen. Der Franz wiederum hat eine klare Vorstellung. Wenn man sich innerhalb seiner Vorstellungen einbringen kann und es passt ihm so, dann haut’s auch hin.

B K: Bei ihm haben Sie ja auch in vielen Produktionen mitgespielt…

G M: Ja, bei der „Familie Meier“ hatte ich eine tolle Rolle, wo ich durch Zufall reingerutscht bin und natürlich auch mit beispielsweise Karl Obermayr traumhafte Partner gehabt habe. Oder auch Max Krückl als kleiner Bua (lacht) und natürlich auch Willy Harlander…tolle Kollegen!

B K: Sie haben vorher ja schon erwähnt, dass Sie zu Bogner einen guten Draht hatten. Bei welchen Produktionen von ihm haben Sie denn mitgeschrieben?

G M: Bei „Unter unserem Himmel“ z.B. Die Idee zur Serie „Zur Freiheit“ ist auch mit von mir. Ich habe ja jahrelang im Schlachthofviertel gelebt und als wir mal zusammen da entlang gegangen sind, ist die Idee dazu entstanden.

B K: Zur absoluten Kultserie ist bekanntermaßen „Irgendwie und Sowieso“ geworden. Wie oft werden Sie denn noch auf die fiese Rolle des „Berti“ angesprochen?

G M: Immer wieder. Es ist unglaublich! Die Rolle war für mich natürlich auch super, weil ich ja gerne so schräge und linke Typen spiele. Es ist Wahnsinn, da werden Partys mit 3000 – 4000 Leuten veranstaltet, die Serie läuft ohne Ton auf einer Leinwand und die Band „Thunderbirds“ spielt dazu. 3000 Leute…das muss man sich mal vorstellen, aus Österreich mit Bussen und sonst woher!

B K: Sind Sie dann auch öfter eingeladen?

G M: Ich war schon zwei Mal dabei, ja. Einmal in Dachau und einmal in Velden glaube ich. Wenn ich Zeit habe mache ich das schon.

B K: Auch die Szene mit Ihnen aus „Monaco Franze“ ist natürlich Kult…

G M: Das ist ja auch eine traumhafte Serie. Wie überhaupt alle vom Dietl. Mit seinen Filmen bin ich allerdings nicht einverstanden. Damit meine ich nicht nur seinen letzten („Zettl“) sondern überhaupt. Mit Filmen hat er mir nie imponiert. Aber die Serien von Dietl sind grandios. Wenn man heute „Münchner Geschichten“ anschaut, dann ist das einfach Zeitgeschichte! Was da passiert ist und wie sich es entwickelt hat, da sieht man woher das heute alles kommt. Ich rede z.B. von solchen Szenen, wo die Altbauten abgerissen oder saniert und die alten Leute rausgeschmissen werden. Ein Viertel wie das Lehel war ja früher ein Arbeiterviertel. Nichts gegen tolle Wohnungen, aber wenn dann alte Leute, die dort 40-50 Jahre gewohnt haben, an den Stadtrand verfrachtet werden, dann gehen die ein.

B K: Nach wie vor ein aktuelles Thema…

G M: Ja auf jeden Fall. Mit Therese Ghiese, Michaela May oder auch Hans Brenner als Schauspieler…großartig!

B K: Hätten Sie damals, oder vielleicht auch heutzutage, Lust gehabt eine Hauptrolle in einer Serie zu verkörpern?

G M: In den Serien, die im Moment laufen sicher nicht! (lacht) Aber bei den guten Serien von früher hätte ich das natürlich schon gemacht.

B K: Weil Sie gerade schon so große Schauspieler aufgezählt haben, mit denen Sie gearbeitet haben, gibt es Persönlichkeiten mit denen Sie besonders gern gedreht oder den Sie vielleicht sogar bewundert haben?

G M: Also ich muss sagen, dass ich wahnsinnig viel von Karl Obermayr gelernt habe. Wir haben auch viel miteinander gearbeitet und auch wenn ich mir hier im Theater eine Rolle angeeignet habe und mir nicht sicher war, dann habe ich ihn angerufen und es ihm vorgelesen. Dann kam schon mal ein „Pass auf mach es lieber so…“ oder „werd da a bisserl leiser…“ usw. Von ihm habe ich irrsinnig viel gelernt.

B K: Das ist wirklich sehr interessant, weil auch von einigen Kollegen, mit denen ich schon sprechen durfte, sehr oft Karl Obermayr als erstes genannt wird…

G M: Ja er war grandios. Ich meine, der Gustl Bayrhammer schon auch, aber mit dem Karl war es halt noch mal mehr ein persönliches Verhältnis.

B K: Leider, leider muss man immer wieder feststellen, dass fast alle nicht mehr unter uns weilen…

G M: Leider ja, die spielen jetzt im ganz großen Theater…

B K: Sind Sie der Meinung Darsteller solchen Kalibers gibt es jetzt auch?

G M: Nein, das ist auch in der heutigen Zeit nicht möglich. Die Schauspielerei hat ja auch etwas mit der jeweiligen Zeit zu tun. Damit mein ich jetzt speziell die Volksschauspieler. Der Unterschied zum Leben von damals und heute ist sehr groß. Die ganzen Entbehrungen, die das Volk hatte, haben die Volksschauspieler von damals ja noch kennengelernt und konnten es natürlich besser darstellen. Auch die Originale der jeweiligen Stadtviertel, die Stenzen usw., findet man nicht mehr. Es ist alles da und wenn man so will, dann könnte man heutzutage aus Mülltonnen leben und würde nicht untergehen. Früher wäre das schon der Fall gewesen.

B K: Das Leben wirkt sich also schon sehr auf die Schauspielerei aus?

G M: Bei mir ist es so, dass es auf der Iberl Bühne keine einzige Figur gibt, die ich nicht schon mal in meinem Leben kennengelernt habe. Man hat somit etwas vor Augen und weiß auch wo das hinführen soll. Das sieht man auch an Bewegungen, die Schauspieler heutzutage können ja alle nicht mehr gehen und sich bewegen.

B K: Bei Helmut Fischer sagt man ja, dass er sich oft selber spielte…

G M: (lacht) Ja, der Helmut wurde mit seiner Art deshalb so beliebt, was aber auch daran lag, dass er immer Panik hatte seinen Text zu vergessen. Die Angst vorm Text stand ihm förmlich in den Augen und jeder hat Mitleid gehabt… (lacht) auch die Zuschauer, aber die wussten nicht warum. Dadurch hat er aber auch eine tolle Ausstrahlung gehabt.

B K: Das war also das Erfolgsgeheimnis von Helmut Fischer?

G M: (lacht) Naja, da wird es schon noch andere Dinge gegeben haben, das ist nur eine Analyse von mir.

B K: Hätten Sie für das Fernsehen auch das Theater aufgeben können?

G M: Um Gotteswillen nein! Nie! Was ist denn Fernsehen im Vergleich zur Bühne? Das Feedback hat man nur im Theater. 

B K: Hätten Sie nicht auch mal Lust gehabt für das Fernsehen Regie zu führen?

G M: Mit meiner Bühne habe ich für Aufzeichnungen sozusagen schon Regie für das Fernsehen gemacht, aber für eine TV-Serie noch nicht. Hätte und würde ich aber auch immer noch gerne machen. Aber mich hat noch keiner gefragt und ich klopfe von mir aus nirgendwo an. (lacht) Ich habe eine komplette Serie bei mir Zuhause in der Schublade liegen…eine affengeile! (grinst)

B K: Na aber dann wär’s doch Zeit…

G M: Jetzt bin ich schon zu alt dafür.

B K: Herr Maier! Clint Eastwood dreht noch mit 80 Hollywood-Filme. Das wird auf jeden Fall notiert und veröffentlicht.

G M: (lacht) Jaja…

B K: Es gibt ja auch im Kino momentan wieder eine bayerische Welle…

G M: Ja, das ist eigentlich auch kein schlechter Weg finde ich. Zumindest das was in den Kinos läuft. Was im Fernsehen gezeigt wird ist schlecht! Es gibt wenige Ausnahmen wie „München 7“, wo Franz X. Bogner noch Entfaltungsmöglichkeiten und Freiheiten gegeben werden. Den Rest kannst in der Pfeife rauchen. Halt! „Franzi“ finde ich noch hervorragend. Aber dieses „Dahoam is Dahoam“...(verzieht das Gesicht) Warum müssen wir solche Soaps machen? Früher waren das die Fotoromane in Illustrierten. Da sind alle Figuren austauschbar und gleich.

B K: Man hat es ja eigentlich schon rausgehört, aber welche Serie oder welcher Film hat es Ihnen besonders angetan?

G M: Ausnahmslos fast alle Dietl- und Bogner-Serien. Wenn ich davon eine wählen müsste, dann auf jeden Fall „Münchner Geschichten“. Was Filme angeht, gerade im bayerischen Sektor, tut es mir leid, da fällt mir keiner ein. Selbst wenn es gute Produktionen gibt, muss ich einfach sagen dass ich in den letzten Jahren wenige Filme schaue. Als ich noch ins Kino gegangen bin, gab es in Deutschland in den 60er und 70er Jahren diese Autorenfilme, die ich alle grausam fand. Seitdem schaue ich wenig deutsche Filme. (lacht)

B K: Herr Maier ich danke Ihnen für das nette Interview.

G M: Ja bitte, gerne. Dann geh ich jetzt mal ins Kino! (lacht)

 

 
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