Bayerische Kultserien
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Interview mit Markus Stoll (alias Harry G)

(06.10.2016- Traubing/Buttlerhof)

http://harry-g.com

www.buttlerhof-traubing.de

HARRY G ©Christian Brecheis

Harry G. grantelt sich bald in seiner eigenen Serie "Harry die Ehre" durch München. Der Pilotfilm dazu wurde bereits gedreht. Mit seinem gleichnamigen, neuen Bühnenprogramm war Markus Stoll, wie der Künstler im richtigen Leben heißt, auch zu Gast im Dorfstadl des Traubinger Buttlerhofs.

Bayerische Kultserien: Gibt es noch Leute, die „Markus“ zu Dir sagen?

Markus Stoll: Ja, meine Eltern nennen mich Markus, meine Frau nennt mich Markus und alle mir nahe stehenden nennen mich Markus. Nur einige wenige sagen zu mir Harry.

B K: Auf der Straße, wo man Dich ja mittlerweile bestimmt erkennt, wirst Du doch ständig mit „Harry“ angeredet oder?

M S: Klar, da auf jeden Fall schon. Der Straßenname ist „Harry“. (lacht)

B K: Du hast ja auf Youtube quasi schon Deine eigene „Kultserie“ geschaffen. Eigentlich war es ja nur eine Frage der Zeit, bis diese auch den Weg ins Fernsehen schafft. Um was geht’s da?

M S: Wir haben gerade einen Pilotfilm mit dem Titel „Harry die Ehre“ produziert. Ob daraus dann „Harry die Serie“ wird wissen wir noch nicht. (lacht) Dort gibt es dann den Alltag von Harry G zu sehen, aber nicht im Doku-Style, sondern schon als zusammenhängende Story mit anderen Schauspielern und allem drum und dran.

B K: Spielst Du dort die verschiedenen Charaktere, die Du auch manchmal auf der Bühne zeigst?

M S: Nein, da spiele ich nur den Harry G.

B K: Ist da schon mehr in Planung?

M S: Wir haben wie gesagt gerade eine Folge gedreht und verhandeln jetzt noch mit den Sendern, wie man was und wo machen könnte. Danach werden dann die nächsten Teile gedreht.

B K: Wie ist es für Dich, wenn Du länger als 2 Minuten vor der Kamera agieren musst?

M S: Es ist einfacher als  bei den Youtube-Videos, weil man weniger Text hat und sich um nichts kümmern muss. (grinst) Klar, man muss es bezahlen, aber letztendlich wird dann aber auch alles für einen gemacht. Oder jemand anderes bezahlt es und es wird gemacht. (lacht) Es ist natürlich super und cool in der eigenen Serie die Hauptrolle zu spielen. Man geht hin, spielt seine Szene und sagt seine Sätze und das war’s. Bei Youtube ist der Aufwand für mich dann höher, gerade bei längeren Videos. Die machen sich ja auch nicht von selber. Das sieht vielleicht alles so aus, als wäre es auf die Schnelle entstanden, aber man braucht ja z.B. die Klamotten für die verschiedenen Typen und dazu auch noch die verschiedenen Schauplätze. Das ist schon aufwändig. Die Unterstützung bei einer Fernsehproduktion ist da eine ganz andere.

B K: Konntest Du die Entscheidung treffen, wer in der Serie mitspielen wird?

M S: Ja, zusammen mit anderen. Die Besetzung ist wirklich sehr gut geworden. Wir haben z.B. das „Isar-Preißen Feindbild“ perfekt besetzt (lacht) und auch den idealen Freund, mit dem der Harry G durch den Tag geht gefunden. Der Harry ist dort ja, so wie ich auch, der Mittdreißiger, der grantelnd durchs Leben geht, nichts auf die Reihe bekommt und zum Comedian wird, weil er immer blöd daherredet.

B K: Ist denn der „Günther“ auch dabei?

M S: (grinst) Nein, der Günther ist noch nicht dabei. Es spielt der Isarpreiß mit, der ein bisschen was vom ihm hat, aber wir werden den Günther in der Form noch etablieren. Allerdings wird man ihn nie sehen, sondern wie den Dr. Kralle bei Inspektor Gadget, nur von hinten betrachten können.

B K: Bei Dir war der Werdegang ja etwas anders, als bei anderen Künstlern. Du hast ja erst nach den Videos entschieden das auch auf der Bühne zu machen. Ist es jetzt schwerer sich etwas für die Clips einfallen zu lassen oder so ein Bühnenprogramm zu erstellen?

M S: Von dem her ist es bei den Videos einfacher, weil die ja keine Pointen haben, sondern einfach „Grantel-Monologe“ sind. So ein Bühnenprogramm zielt drauf ab die Leute zum Lachen zu bringen und darf deshalb nie langatmig oder langweilig werden. Deshalb ist das schwieriger.

B K: Hast Du Dir das gleich zugetraut auf der Bühne zu stehen und vor Publikum zu spielen?

M S: Nein, gar nicht. (schmunzelt) Es ist schon so, dass ich es mag auf der Bühne zu stehen, aber ich glaube das könnte jeder, denn man härtet nach einer gewissen Zeit auch etwas ab. Es ist halt nur gut, wenn du etwas im Köcher hast, bei dem du weißt, dass es sicher funktioniert. Das muss dann gleich ziemlich gut sitzen. Das schwierige sind solche „Ausprobier-Phasen“ auf der Bühne. Ich habe heute z.B. erst den zehnten Auftritt mit dem neuen Programm. Da sitzt dann zwar alles, aber es gibt bestimmt noch einige Dinge, an denen ich feilen kann, möchte und muss.

 

HARRY G ©Mike Heider

B K: Erfahrung vor der Kamera konntest Du ja bereits ein wenig sammeln. Man hat Dich ja erst kürzlich bei den „Rosenheim Cops“ gesehen und auch erst letztens bei „München 7“…

M S: Bei „München 7“ jetzt noch nicht, aber wenn man das Interview liest, dann wurde es vielleicht schon ausgestrahlt. (grinst)

B K: Wie war das z.B. bei den „Rosenheim Cops“ dabei zu sein?

M S: Das war ja meine erste Schauspiel-Erfahrung und von Beginn an sehr angenehm. Allerdings war das auch gleich eine ganz andere Welt. Ich war das ja so nicht gewohnt. Die müssen sich ja um nix kümmern, die Schauspieler. (grinst) Bei mir war sonst immer das ganz Auto voll und eher immer Chaos. Da ist es schon toll, wenn man mit Profis drehen kann.

B K: Und wie war es bei „München 7“?

M S: Genau das gleiche. Beide Produktionen sind hochprofessionell.

B K: Franz X. Bogner ist ja bekennender Fan von Kabarettisten. Ich nehme an die Chemie hat hier gestimmt?

M S: Ja, das war total angenehm mit ihm zu arbeiten. Es war z.B. mal an einem Tag ein totales Chaos, weil es zu regnen begonnen hat. Da sagte er: „Jetz rengts.“ Worauf das Filmteam verzweifelt fragte: „Was machen wir denn jetzt?“. Er: „Jetz wart ma bis nimma rengt!“ (lacht) Natürlich muss man sich das auch leisten können, weil das der Produktion auch Geld kostet. (überlegt und lacht) Ebenfalls ein typischer „Bogner“-Dialog am Set war: „Wo is jetzt der kloane Bua?“, „Der hod hoam müssn.“ „Ja warum?“ „Der war scho über seine Stunden drüber.“ Kinder haben ja bei Dreharbeiten eine Begrenzung, was die Drehzeit angeht. Darauf der Franz X. Bogner: „So ein Schmarrn, wir müssn doch des jetzt fertig macha.“ „Und jetzt?“ „Jetzt fahrst hi und holst’n wieda!“ (lacht) Also ganz pragmatisch . Fand ich super. Sowohl bei „München 7“, als auch bei den „Rosenheim Cops“ sind es tolle Teams, die auch schon sehr lange miteinander spielen, da fühlt man sich echt wohl. Da wurde ich auch überall super aufgenommen.

B K: Gibt es für Dich Vorbilder, was das Kabarett angeht?

M S: Komischerweise würde ich immer noch sagen der Gerhard Polt. Wobei ich aus heutiger Sicht nie etwas so machen würde, bzw. könnte, wie er. Was er gemacht hat, geht auch nie wieder so. Leider hab ich das Gefühl, dass er bei den jungen Leuten, so ab 25 Jahren abwärts, gar nicht mehr bekannt ist. Da sind die legendären Sprüche gar nicht mehr bekannt. Auf der anderen Seite ist das auch immer eine Chance für neue Leute.

B K: Warum glaubst Du funktionieren die Themen, die Du in den Videos oder auch auf der Bühne hast so gut?

M S: Ich habe zu einem Zeitpunkt Themen aufgegriffen, wo niemand darüber richtig geredet hat. Die Schickeria ist ja schon mal auf’s Korn genommen worden, aber dann ist das Ganze auch wieder nach „Kir Royal“ oder halt auch „Monaco Franze“ 20 Jahre lang brach gelegen. Zudem spreche ich auch über Dinge, die zuvor noch nie jemand thematisiert hat. Über die Wiesn hat man sich jetzt vielleicht schon öfter ausgelassen, aber z.B. über den Starnberger See gab es halt bisher noch nix. Sich mit den Themen „Unternehmensberater“ oder anderen „Lifestyle-Geschichten“ auseinanderzusetzen war in der heutigen Zeit zwar nahe liegend, aber gemacht hat es niemand. Und in Videoform sowieso nicht.

B K: Ich finde ja durchaus, dass Du mit diesen Sachen auch in schöner Tradition von „Kir Royal“ oder anderen Dietl-Serien bist…

M S: (überlegt) Wenn Du das sagst, dann sehr gerne, aber im Endeffekt muss man sich halt einfach die Leute im Alltag anschauen. Konstruierte Situationen oder Geschichten, wie man sie manchmal beim Kabarett oder auf dem Bildschirm sieht, unterscheiden sich doch stark vom richtigen Leben. Die Menschen funktionieren im Alltag anders, als im Fernsehen. Dort sind sie Unternehmensberater die beim Tengelmann, Lidl oder beim Biomarkt einkaufen gehen, danach ins Yoga- oder Fitness-Studio laufen, wo sie nicht mehr nur Gewichte heben, sondern „Crossfit“ betreiben und am Abend ins vegane Restaurant gehen. Da muss man halt überall nur genauer hinschauen. Eben nicht nur darauf eingehen, dass die Leute z.B. Fitness machen, sondern was das genau für Kurse sind. Deswegen kommt das glaube ich auch gut an. Den Wandel der Gesellschaft muss ich da schon mit berücksichtigen.

B K: Guckst Du gerne bayerische Kultserien von früher?

M S: Ja klar, auf jeden Fall.

B K: Welche am liebsten?

M S: Tatsächlich ist „Kir Royal“ zwar einer meiner Favoriten, aber die absolute Lieblingsserie ist „Fast wia im richtigen Leben“ mit Gerhard Polt und Gisela Schneeberger. Das sind ja eigentlich nur Sketche, aber die würden heute noch funktionieren. Wenn man so etwas mit neuen Themen nachmachen würde, dann glaube ich, würde das sehr gut ankommen.

HARRY G ©Christian Brecheis

B K: Wäre das nichts für Dich? Könntest Du Dir vorstellen etwas in dieser Art zu machen?

M S: Es gäbe keinen größeren Traum, als in irgendeiner Form so eine Sketch-Serie zu machen. Allerdings ist das wirklich auch ein verdammt großer Aufwand.

B K: Hast Du den Gerhard Polt schon Mal getroffen?

M S: Ja, leider nur einmal bisher.

 

B K: Es gibt doch bestimmt eine Auswertung, welches Deiner Videos am beliebtesten ist, oder?

M S: (überlegt) Also das bisher erfolgreichste Video ist  „10 Betrunkene, die jeder kennt“. Das war der absolute Schlager. Das ist allerdings in dem Sinn kein reines Harry G-Video wo ich ja meistens auf eine Berufsgruppe losgehe. Bei denen war  z.B. „Die Unternehmensberater“ total erfolgreich.

B K: Da ich aus der Gegend bin, ist mein Favorit natürlich der „Starnberger See“.

M S: Stimmt, das ist eigentlich auch sehr beliebt gewesen. Und natürlich die „Wiesn“-Clips, was auch Saison bedingt ist. (lacht)

B K: Hast Du Angst, dass Dir die Themen mal ausgehen könnten?

M S: Die Themen nicht, nein. Wenn dann die Energie. (lacht)

B K: Wenn Du jetzt früher schon Schauspieler gewesen wärst, welche Rolle in welcher bayerischen Serie hättest Du gerne gespielt?

M S: (überlegt) Mit dem Vermächtnis aus heutiger Sicht, hätte ich tatsächlich gerne den „Monaco Franze“ gespielt. Aber wer hätte das nicht gern gemacht. (grinst) Wenn Du das damals gespielt und gewusst hättest, dass das 30 Jahre später immer noch der Inbegriff Münchner Savoir-vivre ist, dann wäre das einfach der Wahnsinn gewesen. Deshalb ist die Frage eigentlich fies…

B K: Ist ja auch nur eine hypothetische Frage…

M S: Hypothetisch hätte ich das gerne gespielt, ja. (lacht)

B K: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit der Serie!

M S: Danke.

 

 
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