Bayerische Kultserien
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Interview mit Stefan Dettl

(24.08.12 - "Live im Ort"-Festzelt/Tutzing)

http://www.live-im-ort.de

Ein relativ kleiner Ort, in einem relativ  kleinem (ca. 1000 Leute) Bierzelt. Schon bei der Begrüßung und vor dem eigentlichen Gespräch stellt man fest: Der Typ ist so was von angenehm normal und gesellig, dass man sofort vergessen könnte, dass dieser Mensch mit seiner Band und der Musik in Bayern ein neues Kapitel eingeläutet hat und damit auch sehr erfolgreich ist. Eingeladen bei Brotzeit und Bier erklärt Stefan erstmal, dass die vielen Konzerte und Touren als Solokünstler und mit Band für ihn nicht wirklich Stress bedeuten ("andere Leit genga a jed'n dog in'd Arbeit!")....

Bayerische Kultserien: Weißt Du, Dein wievielter Auftritt das heute ist?

Stefan Dettl: Meinst du mit Studium und klassischen Auftritten?

B K: Beschränken wir es doch mal lieber auf das Soloprojekt und die Band...

Stefan: Dann wahrscheinlich so der 600.

B K: Wenn man im Internet liest, wie oft Du jeweils als Solokünstler oder mit LaBrassBanda spielst und in Bayern oder auch woanders unterwegs bist, dann fragt man sich schon wie Du Dich bei Laune hältst und das schaffst...

Stefan: Mei, du siehst es ja hier (deutet auf seinen Leberkäs), wenn man Konzerte in Bayern bzw. in Deutschland oder auch in anderen Teilen von Europa hat, wird man immer gut verpflegt. Man hat immer ein schönes Zimmer und es gibt nette Leute, die sich um dich kümmern. Da geht's einem  schon sehr gut. Wenn das Konzert super ist und es gibt ein gutes Bier, dann ist man da schon happy. (grinst) Wenn man z.B. in England oder Dänemark ist, dann gibt's für den Abend eine Packung Chips und des war's. Den Rest, also Getränke etc. muss man sich selber besorgen. Aber selbst wenn man mal nicht gut gelaunt ist oder keine Lust hat, dann sieht man vor der Bühne ein paar lachende Gesichter, die sagen "Wir sind heut da um zu feiern und zu tanzen" und dann geht das schon wieder. Das ist wirklich faszinierend, man geht auch die Bühne und meint man hat nach dem 10. Konzert keine Lust mehr und dann sind da Leute, die selber so vor der Bühne abgehen, dass man selber alles gibt. Danach ist man meistens fertiger als nach jedem anderen Konzert, obwohl man davor ein anderes Gefühl hatte.

B K: Wenn man Dich live erlebt oder auch Videos von Dir sieht, dann merkt man schon, dass Du ein absoluter Live-Mensch bist. Mit LaBrassBanda hast Du ja auch schon die Olympiahalle gefüllt. Spielst Du lieber mit Deiner Band vor einem kleinem Publikum wie hier, oder magst du Auftritte vor großen Mengen wie z.B. auch bei Festivals lieber?

Stefan: Also ich hab mir das vorher mal so angeschaut, ich finde das hier gar nicht so klein. Ich meine das sind auch 800 Leute und das ist schon Wahnsinn. Ganz kleine Locations sind Bars am Sonntag Nachmittag, wo einem 20-30 Menschen zuhören. Das sind dann wirklich intime Auftritte, wo man jedem in die Augen schauen kann.

B K: Gibt's das bei Dir auch?

Stefan: Ja, das mach ich auch und das macht auch total viel Spaß. Aber ich glaube das wird auch heute richtig schön, weil sich die Leute total freuen. Auch was ich bisher von der Organisation mitgekriegt habe gefällt mir das sehr gut, weil das unabhängig von etwas kirchlichem oder politischem ist. Wenn sich jemand ein Herz fasst und so was aufzieht, wo alle mithelfen, dann überträgt sich das auch auf die Band und auf die Show. Deswegen sind wir heute glaub ich auch gut drauf und da freu mich schon. Deswegen ist es eigentlich egal ob man vor 20 oder vor 20.000 Leuten spielt. Wenn man merkt in einer Sache steckt Liebe im Detail, dann gibt's kein Halten mehr. (grinst)

 B K: Wobei ich auch in der Olympiahalle bei LaBrassBanda gemerkt habe, dass ihr da von der guten Stimmung mitgerissen wurdet...

Stefan: Ja klar. Aber man muss schon sagen, dass das eine Ausnahme ist, wenn wirklich 10.000 Leute nur wegen dir da sind und du die Chance hast mit denen die letzten 5 Jahre LaBrassBanda Revue passieren zu lassen. Das ist natürlich eine wahnsinnige Geschichte, die man wahrscheinlich nur einmal erlebt. Da kriegt man schon Gänsehaut. Das hab ich bis heute noch nicht richtig verarbeitet. (lacht)

B K: Ich weiß, dass Dir diese Frage bestimmt öfter gestellt wurde in letzter Zeit, aber warum trägt dein neues Album den Titel "Summer of Love", wo man doch eigentlich zur Zeit immer von vielen Krisen auf der Welt hört?

Stefan: (überlegt) Na ja ich krieg das halt mit von Menschen in meiner Umgebung, auf dem Land, die z.B. auch ganz viele Sachen selber anbauen und wo es wieder viele Leute gibt, die das auch wertschätzen. Wo es nicht darum geht, dass jeder das neueste Auto hat oder den neuesten Ikeaschrank, sondern vielleicht auch mal wieder alte Dinge hergerichtet werden. Was kann man mit wenig Geld machen, ist aber dafür umso schöner? Wo kann man eben Herzblut und Liebe reinstecken? Ich glaube im Moment achten eben wieder mehr Leute auf so was. Auch auf Essen, das mit Liebe zubereitet ist. (deutet noch mal auf seinen Teller) Den Kartoffelsalat hat z.B. die Mama von jemand hier gemacht! Das ist einfach unersetzlich, besser geht's nicht. Deswegen der Titel "Summer of Love", weil gerade in Krisenzeiten so etwas wie Herzlichkeit wieder wichtig wird. Das soll aber gar keine Botschaft sein, sondern das war schon immer so. Wenn man Nachbarn hat, die man nicht kennt oder keinen Bezug zu seinen Menschen aus der Umgebung hat, dann tut man sich nun mal schwer mit denen zu kommunizieren. Es hilft z.B. ja nichts, zwider auf einen Typen zu sein, der vielleicht aus einer Region kommt, wo grad Krieg ist. Nimm den mal in Arm und schau was passiert, das ist mehr als man machen kann. Im übertragenem Sinne kann man das auch auf Länder oder Regionen anwenden. Solange die eben keinen Draht zueinander haben....

B K: Ist das Thema "Summer of Love" auch der Grund warum Deine Haare so lang geworden sind?

Stefan: (lacht) In den 70er Jahren haben alle Rockbands eine Mähne gehabt. Ich hatte bis jetzt noch nie so lange Haare und wollte mal wissen wie das ist. Aber es macht echt Spaß damit zu rocken! (grinst)

B K: Werden die noch länger?

Stefan: Ich lass sie wachsen so lange wie es geht. Auf der Autobahn ist es manchmal schon hart. Die wehen einem so ins Gesicht und man sieht nix mehr. Jetzt schauen wir mal wie lange es noch geht. Auf der Bühne macht's auf jeden Fall echt mehr Spaß und beim Spielen stören sie mich nicht.

B K: Gibt's von Dir auch Lieblingsbands aus dieser Zeit? 60er, 70er Jahre...

Stefan: Ja, CCR (Creedence Clearwater Revival) mit John Fogarty als Songwriter haben echt wahnsinnig spannende Songs produziert. The Sweet find ich voll scharf, weil die zwar damals mit dem Glam Rock begonnen haben, aber auch total gute Musik gemacht haben. Aber es gibt auch ganz viele Jazzplatten aus den 70ern die total gut sind.

B K: Hast Du sonst irgendwelche Vorbilder oder Idole in der Musik?

Stefan: (überlegt) Hm, ja doch der ehemalige Drummer von Nirvana Dave Grohl, der danach seine eigene Band Foo Fighters gegründet hat ist schon eine Art Vorbild. Ich hab den letztes Jahr gesehen und er hat eine Rockshow geliefert, in der wirklich ganz viel Musik drin war. Nicht nur laut und mit Schreien, sondern eben auch viel Melodie. Der hat da mit viel Herz gespielt, obwohl seine Band schon so bekannt ist. Das ist eigentlich schon so bisschen ein Vorbild. Als Schlagzeuger von Nirvana angefangen und dann seine eigene Band auf die Beine stellen, das finde ich toll.

B K: Woher bekommst Du die Inspiration für Deine Texte?

Stefan: Ich muss da glaub ich gar nicht so weit schauen. Ich hab das Glück, das wir viel herumkommen und viele Leute treffen. Letzte Woche waren wir z.B. in Leipzig bei einem Festival und vor zwei Wochen in Budapest. Man lernt immer viel Menschen und auch Musiker kennen. Da merkt man wie die ticken und um was es denen geht, bzw. welche Botschaften die haben. Viele Künstler haben immer eine bestimmte Aussage. Das überträgt sich auch immer so ein bisschen auf meine Texte. Dann schau ich auch immer was es in meiner näheren Umgebung für kleine Geschichten gibt und dann haut das glaub ich ganz gut hin mit dem Schreiben. (grinst)

B K: Gibt es denn ein "Ringelbleame" oder die "Frau mit dem roten Hoserl" wirklich?

Stefan: (grinst) Beide Texte sind nicht von mir, sondern vom Posaunisten von LaBrassBanda. Und er hat immer auf diese Fragen von Journalisten, ob das autobiographisch ist gesagt: "Joa so hoib, hoib." Es ist also schon ein bisschen Erlebtes mit dabei, aber manches eben auch fiktiv.

B K: Zum "Summer of Love" gibt es auch von Dir ein passendes Bier. Meine eigentliche Frage wäre gewesen ob ich eins probieren darf, aber weil Du bestimmt nicht überall welches dabei hast, frag ich halt wie Du darauf gekommen bist?

Stefan: Es gibt da eine Brauerei wo ich herkomme. (http://www.cambabavaria.de) Die machen eigentlich Brauereianlagen für ganz Europa. D.h. wenn du z.B. als Wirtschaft sagst, du möchtest dein eigenes Bier brauen, dann können die dir auf ca. 15qm eine Brauereianlage hinstellen. Die produzieren da auch ihre Testbiere und haben glaub ich am Ausschank so ca. 24 Zapfhähne, wo das verschiedenste Bier rauskommt. Ich hab damals auch ganz gemütlich eine Bierprobe gemacht, weil ich mich mit denen ganz gut verstehe. Irgendwann haben die mir mal ein Bier gegeben, das total fruchtig geschmeckt hat. Ich hab dann gefragt ob sie was bestimmtes zusetzen und es lag aber nur am Hopfen. Ich hab dann gefragt, ob man damit auch Weißbier machen kann, worauf die den Kopf geschüttelt haben und meinten das haben sie noch nie probiert. Das wurde dann mal für einen Sud versucht und seitdem war das quasi mein Bier!

B K: Ist da die Nachfrage groß?

Stefan: Also bis jetzt sind so 100 Hektoliter verkauft worden. Das Bier wird auch nur dort verkauft und nicht irgendwohin ausgeliefert. Das passt also! (grins)

B K: Warum hört man im Radio eigentlich relativ wenig von LaBrassBanda, von Dir als Solokünstler dafür aber umso mehr?

Stefan: Ja das stimmt tatsächlich, ist mir aber ehrlich gesagt auch ein Rätsel. Kann ich leider nicht beantworten.

B K: Eigentlich hast du ja mit LaBrassBanda ein Kapitel der bayerischen Kultur eingeläutet. Was bedeutet Bayern allgemein für Dich?

Stefan: Ich glaub da kommt alles zusammen. Jede gute und positive Zeit hat auch Gegenteiliges. Das ist wie so eine Sinuskurve. Wenn du mal einen guten Tag hast, dann muss es auch ok sein, wenn du mal einen schlechten hast. Und so sehe ich das mit allen Geschichten. Bayern hat glaube ich viele Vorteile, weil die Leute zusammenhalten und miteinander auch was schaffen können. Nicht immer und auch nicht in jeder Ortschaft, aber heute z.B. sieht man das ja auch wieder. Da findet etwas statt, das für und von jungen Leuten kommt. In einigen Regionen auf der Welt wird das nicht immer gemacht und da sind doch manche Menschen aufeinander neidig. Ohne Neid hätten wir sowieso ein viel schöneres Miteinander.

B K: Nebenbei bist Du dann auch noch Verleger der Zeitschrift MUH. (http://www.muh.by) Wie tief bist Du da involviert?

Stefan: Da bin ich jetzt nicht kreativ mit dabei, sondern halt der Typ, der was organisiert oder wenn es Stress gibt wieder in Ordnung bringt. Außerdem muss ich schauen, dass die ganzen Journalisten und Autoren freie Bahn haben. Diese Aufgaben mach ich da aber ganz gern. Wir versuchen möglichst unabhängig zu sein und das schreiben zu können, worauf wir Lust haben. Wir haben das Glück auf niemanden angewiesen zu sein. Jetzt komm ich zwar nicht vom schreibenden Gewerbe, aber wahrscheinlich wollte ich genau deswegen so was mal machen. Alle haben mir davon abgeraten, weil es hieß der Markt sei rückläufig und mit so einem Budget schafft man das nicht.  Wir haben es trotzdem versucht und ich denke es hat bis jetzt ganz gut funktioniert.

B K: Die Zeitschrift passt ja auch wunderbar in die bayerische Kulturlandschaft, die ja gerade wieder groß im Kommen zu sein scheint. Nicht nur in Sachen Musik, sondern auch im Film- und Seriengebiet. Wie siehst Du das?

Stefan: Ich bin da nicht so drin. Jemand der in dem Bereich arbeitet, der versucht einfach etwas zu erschaffen und schaut da wenig um sich glaub ich. Ich genieße es einfach den Job machen zu können, der mir Spaß macht. In welcher Richtung man das wie beurteilen kann weiß ich nicht. Das sollen andere machen.

B K: Und woher nimmst Du die Zeit das alles zu machen?

Stefan: Ich bin das schon seit dem Musikstudium gewöhnt, jeden Tag etwas zu machen. Das ist bei kreativen Vorgängen anders. Jemand wie z.B. Marcus H. Rosenmüller, sagt glaub ich auch nicht "Okey, jetzt ist Freitag Mittag, jetzt mach ich Pause bis Sonntag", sondern muss einfach etwas erschaffen. Man ist ja auch dankbar, dass man seine Ideen verwirklichen darf. Irgendwann mach ich dann schon auch mal wieder Pause. (lacht)

B K: Dann passt ja gleich die nächste Frage. Wann gibt's das neue LaBrassBanda-Album?

Stefan: Voraussichtlich Ende Juni oder Anfang Juli nächsten Jahres.

B K: Stefan, hast Du eigentlich eine bayerische Lieblingsserie?

Stefan: Also mein Highlight ist ja "Polizeiinspektion 1" mit dieser tollen Schunkelmelodie am Anfang. (summt vor sich hin) Die fahren doch auch immer mit diesem Käfer rum...

B K: Ähm..ich glaub jetzt meinst Du mit dem Auto aber "Isar 12"....

Stefan: (lacht) Achso, ja vielleicht ist es die Kombination aus beidem. Und natürlich der "Monaco Franze". Bei "Irgendwie und Sowieso" gibt es natürlich ganze Szenen die man mitsprechen kann. Einfach geil!

B K: Vielen Dank Stefan, das war's schon. Ich wünsch Dir und uns gleich ein tolles Konzert!

Stefan: Ich danke auch. Magst noch a Bier?

 
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