Bayerische Kultserien
Das Beste aus Film und Fernsehen...

Interview mit Sebastian Bezzel

(09.12.2012 - Cineplex Kino/Erding)

Bei der Premiere des neuen Films

http://www.vatertage.studiocanal.de

Bayerische Kultserien: Herr Bezzel, hier in Erding ist es für Sie ja quasi ein Heimspiel. Dank der Serie „Franzi“ kennen Sie sich hier ja gut aus…

Sebastian Bezzel: Ja, stimmt. Ich bin auch immer wieder gerne in Erding. Es waren immer wieder schöne Drehtage hier. Einmal haben wir hier auch ein Bergfest gehabt, bei dem wir alle sauber abgestürzt sind, das war schön. (lacht)

B K: Wird es noch mehr Folgen von „Franzi“ geben?

S B: Nein, die vorerst mal abgedreht. Im Vorjahr haben wir die letzte Staffel produziert und bis jetzt hab ich leider noch nichts davon gehört, dass es weiter geht. Ich glaube allerdings eher nicht.

B K: Natürlich muss ich Ihnen die Frage stellen, ob es bei Ihrem neuen Film „Vatertage“ außer dem Namen „Basti“ noch weitere Gemeinsamkeiten mit der Hauptfigur gibt?

S B: Ich kann da immer nur sagen, dass ich nie so gelebt habe und ein ganz anderer Typ als der Basti bin. Trotzdem ist natürlich viel von meinem Humor drin und wie man auf Situationen reagiert. Da geht’s aber mehr um Details und wie ich das spiele. Inhaltlich gibt es da nicht viele Parallelen.  

B K: Sie sind ja immerhin auch frischer Vater…

S B: Ja, (lacht) deswegen war ich auch noch nie so gut auf einen Film vorbereitet. Einen Monat vor Drehbeginn bin ich Vater geworden.

B K: Gratulation nachträglich! Allgemein ist das ja schon ein Thema, das viele Männer in diesem Alter anspricht…

S B: Das stimmt schon. Bei mir hat es ja etwas länger gedauert, ich war ja schon 40 als ich Vater geworden bin. Ein wahnsinnig schönes Erlebnis, aber ich merke auch, dass es für mich, wobei das natürlich jeder mit sich selbst ausmachen muss, nicht sehr viel früher möglich gewesen wäre. Ich wäre vorher zu ungeduldig und zu unstet gewesen. Mittlerweile ist es das tollste überhaupt!

B K: Die Idee zum Film kam ja auch von Ihnen…

S B: Von mir kam die Idee eines 35jährigen Großvaters, ja.  

B K: Wie kam es dann zur Verwirklichung?

S B: Ich kannte den Produzenten Jakob Claussen von einer anderen Komödie, die wir mal zusammen gedreht haben. Ich hab ihm damals eher so aus Spaß erzählt „Du, ich würde gerne mal einen 35jährigen Großvater spielen!“. Das hat ihn dann interessiert und er kannte wiederum zwei Autoren, die eine ähnliche Idee für einen Film hatten und hat uns dann alle zusammen gebracht. Wir haben uns dann immer wieder mal zusammengesetzt und den Stoff für den Film entwickelt. Irgendwann war dann auch der Regisseur Ingo Rasper mit im Boot.

B K: Da war ja dann ihr eigenes Kind noch gar nicht auf der Welt…

S B: Trotzdem ist das natürlich ein Thema, dass einen interessiert. Es ging ja auch nicht nur um das Vater-, Großvater-Thema, sondern auch darum, wenn man auf Teufel komm raus versucht sich vor dem älter werden zu drücken. Das holt einen dann irgendwann mal ein. Hier ist es natürlich die humoristische Form. Bei einem ernsten Film hätte die Hauptperson ja auch z.B. sehr krank werden können oder so. Dann würde er sich auch mit seinem Leben auseinander setzten müssen. Es ging eben darum, wie einer, der krankhaft an der Jugend festhält, in so einem Moment damit umgeht. Uns war aber auch klar, dass wir eine Komödie machen wollten. Das kam halt dabei raus.

B K: Angst vor dem älter werden hatten oder haben Sie nie?

S B: Doch die hatte ich schon mal gewaltig. Mit Mitte 30 fand ich es schon auch ganz schön scheiße, dass ich nicht mehr Anfang 20 bin. (grinst) Zur Zeit geht’s aber wieder, weil ja auch der kleine Wutzel da ist.

B K: Wie war es mit so einer Schauspielgröße wie Heiner Lauterbach zu drehen?

S B: Sehr gut und sehr professionell. Mit dem Heiner zu drehen war wunderbar.

B K: Mit Monika Gruber, die ja auch mitspielt, haben Sie vorher noch die etwas gemacht oder?

S B: Nein, irgendwie sind wir immer aneinander vorbeigeschrammt. Wir kannten uns zwar aus dem Fernsehen, aber noch nicht persönlich. Das war ein nettes Kennenlernen und wir haben uns auch direkt super vertragen. Wir hatten viel Spaß beim drehen. Die Monika ist einfach saulustig und auf der anderen Seite aber auch sehr professionell.

B K: Mittlerweile wohnen Sie ja in Hamburg. Sie drehen aber schon lieber in München oder?

S B: Ja! Franzi wurde z.T. ja auch in München gedreht. Ich bin 2002 das erste Mal von München weggegangen und habe erst in Berlin gewohnt. Da habe ich aber auch jedes Jahr 1-2 Sachen in München gemacht und war somit immer auch hier. Mir ist das auch wichtig. Ich liebe München und auch Bayern sehr. Ich finde aber auch Hamburg toll. Es war auch eine gute Entscheidung dort zu wohnen. Meine Frau ist ja Hamburgerin. Aber Bayern ist mir schon wichtig.  Im Moment spiele ich ja auch Sommertheater in meiner Heimatstadt Garmisch, wo ich auch mit „Schwere Jungs“ gedreht habe. Es gibt also immer wieder Kontakte nach Bayern.

B K: Kultstatus hat auch die Rolle des Sepp Moll in „München 7“ erlangt. Was ist jetzt schöner. Mit der Rikscha oder mit dem Mähdrescher durch München zu fahren?

S B: (lacht) Angenehmer ist es mit dem Mähdrescher, weil man da nicht so strampeln muss. Die Rikscha aus dem Film war ein echter Bock. Die hat keine Gangschaltung gehabt und da hab ich schon ganz schön reintreten müssen. Trotzdem muss ich sagen, dass ich für’s Bild das Fahren mit der Rikscha schöner fand. Das hat so was Charmantes und Ruhiges. Das hat mir gefallen, dass der Basti immer mit seinem Gefährt durch München cruist. Aber mit einem Mähdrescher auf einer abgesperrten Hauptstraße durch die Innenstadt zu fahren hab ich schon auch sehr genossen. Die Gelegenheit krieg ich wahrscheinlich nie wieder. (grinst)

B K: Momentan werden ja wieder neue Folgen von „München 7“ gedreht. Den Sepp Moll könnte man da schon nochmal einbauen…

S B: Da müssen’s mit dem Bogner reden! (grinst)

B K: Wenn wir schon bei den Regisseuren sind… Franz X. Bogner, Marcus H. Rosenmüller oder auch Joseph Vilsmaier… Sie haben ja schon mit vielen bekannten Namen gearbeitet. Ingo Rasper, der Regisseur von „Vatertage“ ist noch relativ unbekannt. Wie war die Arbeit mit ihm?

S B: Super! Der Ingo ist ja überhaupt kein Bayer, sondern kommt aus der Hannoveraner Ecke. Er ist sehr, sehr gut vorbereitet, sehr leidenschaftlich, fleißig und unglaublich konzentriert. Auch sein Humor ist einfach gut. Das tolle war auch, dass wir beide uns gut aufeinander verlassen konnten und sofort Vertrauen da war. Es gab ja auch die Vorgabe: Einen Film mit Sebastian Bezzel drehen. Ich fand es großartig, dass er sich darauf eingelassen hat und wirklich Lust auf mich hatte. Ich hatte seinen ersten Film „Reine Geschmackssache“ gesehen, der mir sehr gut gefallen hat. Wir haben uns dann auch bei den Dreharbeiten richtig angefreundet und uns danach noch oft bei einem Bier zusammengesetzt und sind die Tage durchgegangen. Den Ingo kann man um 5 Uhr nachts anrufen und sagen „Du, ich hab da noch eine Idee!“, der würde dir das nie übel nehmen, sondern sagen „mach weiter, das ist gut!“. Das ist wirklich ein ganz fleißiger Typ und ein toller Regisseur, von dem wir noch viel hören werden glaub ich!

B K: Von Franz X. Bogner schwärmen auch die meisten Kollegen…

S B: Ja, der Bogner ist wirklich super. Was bei ihm schon der Hammer ist, das ist nicht nur der Regisseur Bogner, sondern auch der Drehbuchautor. Man bekommt eine Rolle und man will keinen einzigen Satz davon verändern! Die Sätze stehen da und sind perfekt! Ähnlich ist das übrigens auch beim Peter Bradatsch, dem Autor bei „Franzi“ so gewesen. Da macht das Drehbuch-Lernen spaß. Die schreiben ja auch ungewöhnlich schöne Dialoge. Die Regiearbeit von Franz X. Bogner fängt da also schon beim Schreiben an. Das zweite ist dann die Besetzung. Er schaut sich seine Leute an und kann dafür die Rolle schreiben. Dadurch erklärt sich schon im Vorfeld einiges, so dass er am Set gar nicht mehr viel sagen muss. Er ist über alle Zweifel erhaben. Wenn man ihn etwas fragt, dann hat er eine Antwort und das passt. Das ist einfach Klasse! Er ist sehr freundlich, sagt einem aber auch relativ unproblematisch und direkt was los ist. Dadurch verliert man nicht viel Zeit mit freundlichem drum herum Gerede. Er sagt was er mag und dann spielt man das so. Wenn dieser Deal läuft, dann passt das perfekt und ist sehr angenehm!

B K: Beim Film „Schwere Jungs“ hatten Sie das Vergnügen mit Marcus H. Rosenmüller…

S B: Beim Rosi ist es ein Spektakel ihm zuzuschauen, weil er sehr leidenschaftlich ist. Er ist zwar nicht immer so ganz super präzise in seinen ersten Ansagen, aber er steigert sich immer mehr rein und fiebert dann richtig mit. Wenn man eine Szene spielt, dann sieht man dass er im Off sitzt und richtig mitgeht. Diese Begeisterung für’s Filmemachen steckt wahnsinnig an, so dass es für einen ein Privileg ist bei so einer Produktion mitzuwirken. Dass man zusammen Spaß hat und so leidenschaftlich dran bleibt, das ist das tolle am Rosi!

B K: Die angesprochenen Regisseure sind auch mit dafür verantwortlich, dass zur Zeit wieder mehr bayerische Produktionen stattfinden. Finden Sie das gut?

S B: Das ist schon schön, abgesehen davon, dass es dann auch mehr Jobs für mich gibt. (grinst) Ich mag Filme gerne, die im Dialekt sind oder die mit einer Region klar zusammenhängen. Das muss aber nicht zwingend Bayern sein. Ich mag das auch bei englischen oder französischen Filmen gern. Das bayerische funktioniert hier halt sehr gut, weil man da auch ein sehr selbstbewusstes Publikum hat. Außerhalb Bayerns funktioniert das schon auch. Ich sag auch immer, dass man den Leuten damit so einen kleinen Urlaub verkauft und Bayern hat da natürlich einen Sonderstatus, das merke ich auch gerade weil ich in Hamburg lebe. Ich persönlich finde es aber gar nicht so wichtig, dass man betont „das ist ein bayerischer Film“. Für mich als Schauspieler macht das jetzt keinen Unterschied. Nach dem Motto „ah, das ist jetzt ein bayerischer Film, da spiel ich anders“. Ich spreche vielleicht etwas anders, versuche aber an alle meine Filme mit der gleichen Leidenschaft und konzentrierten Vorbereitung heranzugehen. Mal gelingt das mehr und mal weniger.  Diese Betonung des „Bayerischen“ stört mich auch manchmal, weil dann die Gefahr besteht, dass man denkt „ah, die sprechen bayerisch, das ist ein guter Film!“. Man muss einen Film ja immer neutral angehen. Mit seiner Geschichte und den Typen, die dort gespielt werden. Es ist schön wenn da ein bisschen Lokalkolorit dazukommt, ich mag es aber auch wenn andere Dialekte dabei sind oder es sich mischt. Ich hab auch aus Norddeutschland Sachen gesehen, die mir sehr gut gefallen haben. Das macht auch eine Story groß, wenn sie ein bisschen geerdet ist. Im Großen denken und im Kleinen handeln. „Wer früher stirbt ist länger tot“ z.B. ist einfach eine wahnsinnig berührende Geschichte von einem kleinen Jungen, der ohne Mutter aufwächst, sich seine Fantasiewelt zusammenzimmert und versucht das Leben zu begreifen. Das dieser Film bayerisch ist, ist dann zweitrangig, aber natürlich auch schön, weil es die Figuren sehr warm macht.

B K: Marcus H. Rosenmüller hat in einem Interview ähnliches gesagt…

S B: Da ist man ganz schnell mal in einer schlechten Schiene drin. Das kann dann mal kippen und dann ist man in so einer „Bayern-tümmelei“ drin, die ich überhaupt nicht mag. Quasi „haha, ich bin jetzt ach so lustig bayerisch!“. Das geht gar nicht! Es ist ja auch nicht ein großartiger Verdienst, dass ich aus einem bestimmten Bundesland komme, wenn auch mit einer zugegebenermaßen witzigen Sprache, wo die Pointen gut funktionieren. Ein Film muss mit seiner Geschichte funktionieren und berühren. Ob das dann bayerisch ist oder nicht, das kommt erst an zweiter Stelle. 

B K: Es gibt wunderbare Komödien mit nordischem Einschlag!

S B: Jaja, z.B. Lars Jessen als Regisseur macht sehr schöne norddeutsche Filme, u.a. mit Jan Fedder, die auch einen ganz eigenen Humor haben. Die Figuren an sich könnten ja genauso auch in Bayern stattfinden. Genauso wie ich in Hamburg auch immer wieder auf „Franzi“ angesprochen werde: „Du ich komm aus Ahrensburg, das scheint ganz ähnlich wie Erding zu sein!“. (lacht) Also inhaltlich kennt man das alles. Nur sprechen die halt anders. Die Schnittmengen liegen da auf einer anderen Ebene, aber die Leute mögen das.

B K: Wenn wir schon im Norden sind… Adam Bousdoukos, der ebenfalls bei „Vatertage“ mit dabei ist, hatte ja auch die tolle Hauptrolle im Hamburger Film „Soul Kitchen“…

S B: Ein toller Film. Zwar ganz anders als „Vatertage“, aber ich weiß noch dass wir den Film damals gesehen haben und gedacht haben wie schön da Hamburg erzählt wird. Insofern ist er ein Vorbild. Ein Ziel von „Vatertage“ war ja auch München als Stadt zum einem Hauptdarsteller zu machen.

B K: Das ist auch sehr gut gelungen!

S B: Vielen Dank!

B K: Herr Bezzel, können Sie denn eine bayerische Serie nennen, die Sie selber immer wieder gerne sehen?

S B: Also alle Dietl und Bogner-Sachen sind großartig. Aber die Nr. 1 für mich sind „Münchner Geschichten“! Therese Giehse, Karl Obermayr, Gustl Bayrhammer und Günther Maria Halmer… das ist einfach unerreicht geblieben! Vielleicht auch, weil das in den 70ern meine erste Serie war, die ich gesehen habe.

B K: Vielen Dank für das Interview!

S B: Bitte, gerne!

 

 
Haftungshinweis: Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.