Bayerische Kultserien
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10 Jahre "Wer früher stirbt ist länger tot"

„Wer früher stirbt, ist länger tot“ war 2006 die große deutsche Kinoüberraschung und für viele ist der Film DER Wegbereiter für das neue bayerische Kino in den Jahren danach.

Mit seiner eigenwilligen Mischung aus Kinderfilm und schwarzem Humor traf Marcus H. Rosenmüller voll den Nerv des Publikums: Vor allem in Bayern avancierte "Wer früher stirbt, ist länger tot" binnen kürzester Zeit zum Geheimtipp und wurde 2006 zum Kultfilm schlechthin!

Nun feiert das Debüt des Regisseurs bei vielen Lichtspielhäusern und Open Airs sein 10jähriges Jubiläum.

Für uns die Gelegenheit beim "Kino, Mond und Sterne" auf einige Darsteller zu treffen und dem Hauptdarsteller Markus Krojer und Marcus H. Rosenmüller einige Fragen zu stellen...

 

 

 

Bayerische Kultserien: Welche Vor- und Nachteile hat es, wenn der erste Kinofilm, den man gemacht hat, gleich so einschlägt wie „Wer früher stirbt ist länger tot“?

Marcus H. Rosenmüller: Der Vorteil ist, dass man es erleben darf, wie es ist damit Erfolg zu haben. Das war schon ein enormer Start und hat uns viele Türen geöffnet. Für alle, die dabei waren und für mich ganz besonders, weil ich danach andere Filme leichter realisieren konnte. Man hat mir dann mehr vertraut, auch wenn man sich natürlich mit anderen Projekten weiter beweisen sollte. Es war toll zu sehen, dass eine Vision, mit der man so lange schwanger gegangen ist, so vielen Leuten gefallen hat. Mir war durchaus bewußt das könnte alles einmalig sein. Von dem her habe ich auch keinen Nachteil in Form von Druck verspürt. Nach dem Motto: „ Der nächste Film muss genauso erfolgreich sein!“. Ich wollte immer Filme machen, die mir wichtig sind, bei denen ich etwas behandle und erzähle das mir wichtig ist, weil es mit mir zu tun hat. Und das durfte ich bis zum heutigen Tag. Das war mein Glück. Auch wenn ich mir natürlich immer wünsche ein großes Publikum zu finden.

B K: Wie schwer war es, erst mal das Geld für den ersten Film aufzutreiben, nachdem Du zusammen mit dem Christian Lerch das Drehbuch geschrieben hattest?

M H R: Das Geld ist natürlich eine Angelegenheit des Produzenten. Der Christian und ich hatten das Glück, das die Roxy Film an uns geglaubt hat und den Film produzieren wollte und auch hat. Sie haben uns auch immer wieder ermöglicht kurzfristige Einfälle zu ermöglichen. Bei „Wer früher stirbt ist länger tot“ war die Unterwasser-Szene, in der Sebastian seiner Mutter entgegen schwimmt, eine sehr späte Idee von uns und auch mit einigen Kosten verbunden. Das konnten wir dank der Produzenten noch umsetzen. Auch den Wunsch nach dem Hubschrauber-Flug für die Wendelstein-Aufnahmen haben wir erfüllt bekommen.

B K: Hat da auch eine Rolle gespielt, dass kurz zuvor bayerische Filme wie „Die Scheinheiligen“ oder auch „Grenzverkehr“ im Kino Überraschungserfolge waren?

M H R: Ja, die haben uns den Weg geebnet. Plötzlich mochten die Verleiher bzw. die Förderer, dass Filmemacher aus Bayern etwas machen, dass eine eigene Note hat. Vielleicht ist das auch ein wenig von Österreich herübergeschwappt, die ja vorher schon tolle Dialektfilme gemacht haben. Das waren meine großen Vorbilder.

B K: Wie bist Du eigentlich auf den Titel „Wer früher stirbt ist länger tot“ gekommen?

M H R: Auf den bin nicht ich gekommen, sondern Christian Lerch hat den mitgebracht. Das ist eine Textzeile aus einem Hörspiel von den Machern, die auch den „Watzmann“ (Wolfgang Ambros, Manfred Tauchen und Joesi Prokopetz) gemacht haben. Der Titel passt natürlich sehr. Im ersten Augenblick erscheint er sehr witzig, aber er ist auch bitter. Und das war aber im Endeffekt auch das Ansinnen des Films, nicht nur lustig zu sein. 

B K: Die Rollen sind ja wirklich alle ausnahmslos genial besetzt. Hast Du vorm Dreh gleich schon bestimmte Schauspieler im Kopf, die Du dafür haben wolltest?

M H R: Ein paar waren ja schon bei diversen Kurzfilmen von mir dabei. Da hatte ich z.B. schon den Hans Schuler oder den Jürgen Tonkel kennengelernt. Die Hauptrollen für die Kinder haben wir natürlich erst mal finden müssen. Das war ein sehr groß angelegtes Casting…

B K: Stimmt es, dass Ihr an die 600 Kinder gecastet habt?

M H R: Es waren sehr viele Kinder, wie viele genau weiß ich nicht. Die Vorauswahl haben andere für mich erledigt.  Ich habe vielleicht von 100 Kindern noch ein Video gesehen und ausgiebig gecastet habe ich noch weniger. Aber es war wirklich viel! So viele habe ich in späteren Filmen nicht mehr gecastet.  Für sehr viele Rollen haben sich Schauspieler gefunden, an die ich zuvor nicht so gedacht habe. Da hat mir unsere damalige Casterin Nessie Nesslauer ein toll harmonierendes Ensemble zusammengestellt.

B K: Musstest Du wirklich dem Fritz Karl (Sebastians Vater) erst mal bayerisch beibringen, weil er ja eigentlich Österreicher ist?

M H R: Was heißt beibringen, ich habe es ihm auf Kassette oder CD aufgenommen, damit er sich daran gewöhnt, wie es bei uns ausgesprochen wird. Aber eigentlich ist das ein üblicher Vorgang, damit Schauspieler sich Zuhause vorbereiten können. Ich glaub sogar es war eine Idee vom Fritz. Der war eh grandios weil er so voller Tatendrang gesprüht hat.

B K: Und wer hatte die Idee den Gerd Baumann, der ja für die Filmmusik verantwortlich ist, im Film als John Ferdinand Woodstock auftreten zu lassen?

M H R: (überlegt) Das ist eine echt gute Frage. Wie es genau dazu gekommen ist weiß ich gar nicht mehr. Irgendwann hatten wir halt die Idee, den John Ferdinand Woodstock im Film erscheinen zu lassen. John Ferdinand Woodstock auf dem Traktor war natürlich ein Frank Zappa Zitat. Aber mit Gerd als Komponist hatten wir natürlich immenses Glück. Er hat dem Film seinen Stempel aufgedrückt. Gerd habe ich über meine Produzenten kennengelernt und eigentlich wollte ich ihn gar nicht kennen lernen. Aber aus Höflichkeit den Produzenten gegenüber hab ich ihn dann doch getroffen und hab ziemlich schnell gespürt, dass er der richtige ist. Also nach 10 Minuten.

B K: Dann ist mit diesem Film ja auch eine schöne Freundschaft entstanden, die bis heute anhält. Ihr arbeitet ja nicht nur bei solchen Projekten immer wieder zusammen, sondern veranstaltet ja auch öfter lustige Lesungen.

M H R: Ja das stimmt. Das ich ihn kennengelernt habe war eine glückliche Fügung.

B K: Wahrscheinlich ging das Erscheinungsbild von Gerd Baumann auch damals schon in Richtung Hippie und ihr habt Euch deswegen dafür entschieden….

M H R: (lacht) Das kann sehr gut sein. Er hat schon so ausgesehen, als käme er aus den 60er oder 70er Jahren. Ich finde jetzt schaut er so aus als käme er aus den 50er Jahren, ne 80er Jahren. Oder 50 + 80 geteilt durch 2.

B K: Kam eigentlich nie jemand auf Dich zu und wollte eine Fortsetzung von „Wer früher stirbt ist länger tot“ machen?

M H R: Ich wurde ein paar Mal gefragt, warum wir keine Fortsetzung machen. Für mich war es immer klar, dass der Film bzw. die Geschichte auserzählt ist. Ich finde es großartig so und ich will da nichts zufügen. Für mich muss da nichts weiter erzählt werden. Mir würde dazu auch gar nichts einfallen. Ich hatte nie den Drang mich hinzusetzen und mir da was auszudenken. Bei anderen Projekten war es anders. Wenn ich da z.B. an „Beste Zeit“, „Beste Gegend“ etc denke, wo Karin Michalke, die Autorin,  die Geschichte weiter gesponnen hat, bis wir dann bei „Beste Chance“ gelandet sind. Eigentlich wäre die Trilogie ja damit abgeschlossen, aber irgendwie merken wir jetzt, dass wir die Figuren gerne weiter begleiten würde. Ich glaube, es werden uns zu ihnen auch immer Geschichten einfallen, weil es irgendwie ums echte Leben geht. Bei „Wer früher stirbt ist länger tot“ ist das ganze ja doch ein wenig „metaphorischer“.

B K: Bei Deinen Filmen geht es ja öfter um Kinder bzw. Jugendliche, die gerade heranwachsen. Das sind schon Geschichten, die Du gerne magst oder?

M H R: Ich mag das gerne, ja. Man kann durch die Augen eines Kindes ganz naiv die großen Weltfragen behandeln. Das hat einen komischen Effekt und hat doch was tiefes. Außerdem ist es natürlich so: Wenn Du etwas gemacht hast, was sehr erfolgreich war, kommen die Produzenten mit einer ähnlichen Konstellation auf dich zu. Wenn es dann so ist wie bei „Perlmutterfarbe“, dass mir die Geschichte  behagt und ich merke, da ist jetzt ein anderer Impuls drin, dann habe ich das gerne gemacht. So war es dann auch bei "Sommer in Orange".

B K: Rosi, vielen Dank für das Gespräch.

 

Bayerische Kultserien: Zehn Jahre „Wer früher stirbt ist länger tot“. Ist die Zeit für Dich schnell oder langsam vergangen?

Markus Krojer: Eigentlich schon schnell. Am Anfang vielleicht ein bisschen langsamer, weil da alles sehr fokussiert war und sich alles um den Film gedreht hat, aber dann habe ich die Schule fertig gemacht und danach geht alles viel schneller vorbei. Das geht glaub ich jeden so. Mittlerweile vergehen die Wochen, Monate und Jahre wie im Flug.

B K: Hat der Film Dein Leben sehr verändert?

M K: „Sehr“ ist immer Definitionssache. Ich bin halt in Bayern aufgewachsen und irgendwann hat wirklich jeder „Wer früher stirbt ist länger tot“ gekannt. Immer wenn ich damals unter fremden Leuten war, dann ging es natürlich nur um diesen Film. Aber es hat mein Leben hauptsächlich verändert, weil ich der Schauspielerei auch danach treu geblieben bin. Jetzt bin ich ja schon etwas älter (lacht) und sehe ein wenig anders aus, da werde ich jetzt nicht mehr so oft auf „Wer früher stirbt...“ angesprochen. Meine Freundin z.B. kannte den Film vorher nicht. (grinst) Das ist dann auch ganz gut gewesen.

B K: Ich wollte gerade fragen ob Dich nach all den Jahren trotzdem noch viele Leute erkennen?

M K: Es passiert schon noch. Ich bin dann echt immer fasziniert, wie die das noch erkennen. Manchmal natürlich noch am Muttermal auf der Nase. Selbst wenn ich wie heute mal keinen Bart habe, hat sich mein Gesicht im Vergleich zu damals schon noch etwas verändert. Es ist aber schon entspannender für mich, wenn ich in München leben kann wie jeder andere. Das war damals natürlich viel extremer.

B K: War es vielleicht auch ein Nachteil, dass man mit so jungen Jahren gleich in so einem großen Erfolg mitgespielt hat? War da die Erwartungshaltung größer?

M K: Nein, eigentlich nicht. Die einzige Blockade war, um überhaupt in vielen anderen Filmen mitspielen zu können, dass ich hochdeutsch lernen musste. Den Film habe ich damals ja nur machen können, weil ich bayerisch spreche. Ich selber habe danach aber keine Erwartungen gesetzt. Auch meine Eltern, die Leute um mich rum und sogar der Rosi (Regisseur Marcus H. Rosenmüller) haben auf mich eingewirkt und bestärkt so weiter zu machen wie davor auch, mit der Schule, dem Fußballverein etc. Und so mache ich auch heute noch einfach was mir gerade taugt.

B K: Mittlerweile hast Du ja auch Hauptrollen in anderen Filmen gehabt. Ich könnte mir aber vorstellen, dass es nicht ganz einfach ist von einem Kinderstar zu einem erwachsenen Darsteller zu werden.

M K: Als Kind ist es ja eher Zufall, wenn du entdeckt wirst und es dann passt. Da bekommt man mehr Aufmerksamkeit als andere. Später ist es durch das Alter, in dem man sich nicht mehr so extrem schnell verändert und zum Beispiel durch die Schauspielschulabsolventen, die dazukommen, eine größere Masse als „Konkurrenz“, die für eine Rolle in Frage kommen.  Aber Ich mache jetzt auch erst mal mein Studium fertig. Da hatte ich eine Zeit, in der ich Schauspielerei eher als „Nebenjob“ aufgefasst habe. Mittlerweile liebe ich die Abwechslung und lass es einfach auf mich zukommen.

B K: Wie war das damals mit 11 Jahren auf so erfahrene Schauspieler wie z.B. Jürgen Tonkel, Sepp Schauer oder auch Fritz Karl zu treffen?

M K: Ich muss jetzt ganz ehrlich sagen, dass meine filmischen Interessen eher meinem Alter entsprechend war und ich eher mit „Fluch der Karibik“ vertraut war, als mit Filmen der Kollegen. (lacht) Ich kannte also nicht wirklich alle Leute. Als ich ans Set kam, haben mich aber nicht nur die Darsteller, sondern auch das ganze Team wie eine Familie aufgenommen. Das war echt super. Da gab es während der ganzen Dreharbeiten nie einen Abstand und wir hatten auch viel Spaß. Für mich war das natürlich toll zwischen solchen Schauspielern rumzuspinnen. (lacht) Im Nachhinein kann ich auf jeden Fall sagen, dass großes Glück war, meine Einführung ins Filmbusiness mit diesen Leuten gemacht zu haben.

B K: Aber danach hast Du Dir schon die Filme der Kollegen angeschaut oder?

M K: Ja klar. (lacht) Ich treffe sehr viele heute noch und bin auch in der gleichen Agentur wie einige andere aus „Wer früher stirbt ist länger tot“. Das heißt man sieht sich auch öfter auf Veranstaltungen oder bei anderen Jobs. Den Hans Schuler z.B. bei einer folge von „München 7“. Man glaubt eh nicht wie klein da die Welt manchmal ist. (grinst)

B K: Stimmt es, dass der Rosi beim Drehen so gut mit Kindern umgehen kann?

M K: Total! Ohne den Rosi, hätte ich das in dem Alter nicht so gut geschafft. Man darf mit zehn Jahren ja gar nicht daran denken, dass da so eine Verantwortung über dir schwebt. Und genau das hat er bei mir gemacht. Es war ein intensiver Kontakt, den ein Kind genau dafür braucht.

B K: Beim Dialekt gab’s ja sicher keine Schwierigkeiten…

M K: (lacht) Ganz sicher nicht.

B K: Vielen Dank Markus und viel Erfolg weiterhin!

M K: Danke!

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